Bulle und Bär
Angloplat bleibt erste Wahl

Dass jeder Höhenflug zumindest vorübergehend ein Ende findet, mussten zuletzt auch die Platinförderer im südafrikanischen Buschfeld erfahren. Doch weil Marktführer Angloplat in diesem Sektor keine Konkurrenz zu fürchten hat, bietet der jüngste Rückschlag Anlegern eine Kaufgelegenheit.

KAPSTADT. Zunächst kollabierte Ende Juli der Aktienpreis von Lonmin, der Nummer drei am Markt. Der Grund: Sein Management hatte allzu lange zu die hartnäckigen Probleme in einer seiner Platinschmelzen schön geredet. Als das Unternehmen dann schließlich doch eingestehen musste, rund 100 000 Unzen hinter dem ursprünglichen Produktionsziel von einer Mill. Unzen zurückzubleiben, war es um den Aktienkurs geschehen.

Ein wenig anders sind die Gründe für den Rückschlag beim Marktführer Anglo Platinum (Angloplat), einer 75 prozentigen Tochter des Bergbauriesen Anglo American. Hier wurde eine bislang beispiellose Serie an Unfällen unter Tage dem Unternehmen zum Verhängnis. Die Serie an Todesfällen kostete Konzernchef Ralph Havenstein am Ende sogar den Job.

Erschwerend kam hinzu, dass der Manager in seinen knapp vier Jahren an der Konzernspitze fast nie das Produktionsziel erreicht hat. Statt der eigentlich für 2007 geplanten 2,9 Mill. Unzen wird Angloplat nach eigenen Angaben nur noch zwischen 2,6 und 2,75 Mill. Unzen fördern. Kein Wunder, dass der Aktienpreis von seinem Zwölf-Monats-Hoch bei 1 300 Rand inzwischen auf 900 Rand zurückgefallen ist.

Während einige Beobachter die harte Hand der neuen Anglo American-Konzernchefin Cynthia Carroll loben, die sie gegenüber dem Angloplat-Management an den Tag legte, kritisierten andere, dass es ihr offenbar schwer fallen, das Bergbaugeschäft zu verstehen. Entsprechend schwer dürfte es auch werden, die von Carroll geforderten Sicherheitsvorgaben zu erfüllen. Immerhin dürfte sie damit vor allem bei der südafrikanischen Regierung auf große Zustimmung stoßen. Schließlich hegen die schwarzen Machthaber noch aus Apartheidzeiten tiefe Ressentiments gegen die großen Minenhäuser. Viele Schwarze sind überzeugt, dass die großen Konzerne den Tod schwarzer Minenarbeiter bisweilen wissentlich in Kauf nehmen.

Anders als die Konkurrenz hat der Platinförderer zudem bislang auch kaum schwarze Anteilseigner wie es die südafrikanische Minencharta zur Auflage macht. Allerdings wird sich daran vermutlich schon nächste Woche viel ändern. Drei größere Übereinkünfte mit von Schwarzen geführten Unternehmen stehen offenbar unmittelbar vor dem Abschluss. Angloplat dürfte dann mit einem Schlag die Vorschriften der Charta erfüllen, wonach bis 2014 rund ein Viertel der Aktien im Minensektor in den Händen schwarzer Anteilseigner sein muss. Dann können Förderlizenzen erneuert und neue Gruben erschlossen werden.

Weil Angloplat im Platinsektor keine Konkurrenz zu fürchten hat, bietet der jüngste Rückschlag Anlegern eine Kaufgelegenheit. Die Dominanz des Konzerns wird schon daran deutlich, das die Anglo-Tochter derzeit rund 35 Prozent zur weltweiten Platinproduktion beisteuert - und damit deutlich vor dem Lokalrivalen Impala rangiert.

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