Bulle und Bär
Angst vor US-Staatsanleihen ist übertrieben

Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen steigen - obwohl die Ratingagentur Standard & Poor's den USA vor kurzem erst einen negativen Ausblick verpassten. Die Ängste vor einem US-Crash sind allerdings unbegründet.
Frankfurt

Fast einen Monat ist es her, dass die Ratingagentur Standard & Poor's den USA einen Schuss vor den Bug und dem Spitzenrating "AAA" einen negativen Ausblick gegeben hat. Hauptgrund für die Aktion war, dass die Bonitätswächter am dringend benötigten Sparwillen der US-Politiker zweifeln. Und was ist seither passiert? Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen sind leicht gestiegen und ihre Renditen im Gegenzug gesunken.

Dabei trieben vor allem die Aussichten auf noch längerfristig niedrige Leitzinsen der US-Notenbank Fed und die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Krisenstaaten im Euro-Raum die Anleger in US-Staatsanleihen. Und das obwohl die USA so gigantisch verschuldet sind, dass sie die gesetzlich vorgeschriebene Schuldenobergrenze sprengen werden und bis August anheben müssen.

Trotzdem ist die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten zahlungsunfähig werden nachgerade verschwindend gering. Schließlich trägt die größte Volkswirtschaft der Welt fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel, und mit dem Dollar sind die USA in der Zins- und Geldpolitik unabhängig und können - auf Kosten der Inflation - Geld drucken, um ihre Dollar-Schulden zu bedienen.

Dennoch stehen die Zeichen auf fallende Anleihekurse; von daher ist jetzt ein schlechter Einstiegszeitpunkt. Gründe dafür sind, dass die US-Notenbank Fed früher oder später die Leitzinsen anheben muss, ihr Kaufprogramm für US-Staatsbonds ausläuft und die Inflationsrate in den USA schon jetzt steigt.

Ängste vor einem Crash der US-Anleihen sind aber unbegründet. Auch der wohl prominenteste und bedeutendste Anleiheinvestor Bill Gross von Pimco ist nicht so pessimistisch wie es auf den ersten Blick scheint. Gross wettet zwar gegen US-Staatsanleihen, aber: Wenn die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf über vier bis viereinhalb Prozent steigt, will auch er nach eigenen Angaben seine Einstellung zu US-Bonds überprüfen.

Derzeit liegt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 3,2 Prozent. Ein Anstieg um einen vollen Prozentpunkt, wie ihn auch die meisten Volkswirte mit Sicht auf zwölf Monate erwarten, würde einen Kursverlust von 8,2 Prozent bedeuten. Das ist viel, aber nicht dramatisch und gilt deshalb vor allem, weil bei kürzer laufenden Anleihen ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt deutlich geringere Kursverluste zur Folge hat. Zudem kompensieren die Zinseinnahmen zumindest einen kleinen Teil der Kursverluste. Und in der Vergangenheit gab es schon deutlichere Renditeanstiege, ohne dass davon die Welt unterging.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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