Bulle & Bär: Anlage: Die Fallen der Faulheit

Bulle & Bär
Anlage: Die Fallen der Faulheit

Die frisch duftenden Sonntagsbrötchen holt der Familienvater gerne beim Bäcker um die Ecke. Auch wenn die Brötchen am anderen Ende der Stadt billiger sind und vielleicht auch besser schmecken. Doch für den schlaftrunkenen Frühaufsteher lohnt der weite Weg nicht - wenn er sich mit den Brötchen von nebenan zufrieden gibt. Ganz ähnlich verhalten sich Privatanleger beim Kauf von Wertpapieren.

DÜSSELDORF. Aktien aus der Ferne locken bisweilen mit einer höheren Rendite. Doch Anleger agieren auch hier wie beim Brötchenkauf und wählen nur die Papiere aus der näheren Umgebung aus. In ihren Depots finden sich allzu oft vor allem deutsche Aktien. Und selbst bei den heimischen Papieren bevorzugen Anleger sogar noch die von nahe gelegenen Unternehmen. Gerade wenn es ums Geld geht, sollten aber Anleger die Fallen der Faulheit meiden, die ihnen die Psyche stellt. Wer erfolgreich investieren will, muss sich bemühen, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Börsenpsychologen haben zwei mögliche Ursachen für die Heimatliebe ausgekundschaftet: Entweder glänzen Anleger mit ei-nem Wissensvorsprung bei Unternehmen, die vor ihrer Haustür liegen. Oder sie sortieren Informationen einfach nach dem Kriterium Nähe. Welche der beiden Ursachen ausschlaggebend ist, darüber sind Finanzforscher uneins.

Der Frankfurter Finanzprofessor Andreas Hackethal und sein Mitarbeiter Ralph Blüthgen gingen dieser Frage über einen Umweg nach. Sie untersuchten, ob Anleger für den Aktienhandel den nächstgelegenen Börsenplatz vorziehen. Dafür nahmen sie die Handelsgewohnheiten von 19 000 Kunden eines Online-Brokers unter die Lupe: Tatsächlich entscheiden sich die Anleger eher für das nächstgelegene Parkett. Je näher sie an einer Börse wohnen, desto eher wickeln sie ihre Wertpapiergeschäfte über diesen Handelsplatz ab, obwohl sie über die Online-Plattform ohne Mühe die Wahl zwischen allen deutschen Börsenplätzen haben. Die Wahl des nächstgelegenen Handelsplatzes lässt sich nur mit der Eigenwilligkeit der Psyche erklären; denn ein Wissensvorsprung kann hier als Erklärung nicht herhalten.

In einem zweiten Schritt schauten sich Hackethal und sein Mitarbeiter noch an, wie die Anleger ihr Portfolio aufgebaut hatten. Sie fanden heraus, dass Anleger, die besonders die nächstgelegene Börse bevorzugen, auch überdurchschnittlich viele heimische Aktien in ihr Depot legen. Dies deutet darauf hin, dass psychologische Faktoren stärker die Anlageentscheidung dominieren als rationale.

Schließlich gelangten die Wissenschaftler zu einer weiteren Erkenntnis: Anleger, die sich von unabhängigen Finanzberatern betreuen lassen, ziehen viel seltener die lokalen Börsenplätze vor. Damit einhergehend streuen sie ihr Portfolio stärker und kaufen überdurchschnittlich viele ausländische Aktien - zwei Zutaten eines klassischen Börsenre-zepts, um die Performance des Portfolios zu verbessern.

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