Bulle & Bär
Anlagebetrüger (in der Schweiz) am Werk

Gerade erst hat ein Gericht die Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft Phoenix hinter Gitter geschickt. Mit hohen Renditeversprechen von bis zu 15 Prozent hatten die Betrüger Tausende Anleger überzeugt, Phoenix ihre Ersparnisse zu überweisen. Über Jahre gelang es den Schwindlern, Gewinne aus Optionsgeschäften vorzutäuschen. Die Geprellten wissen nicht, wie viel sie von ihrem Geld wiedersehen.

FRANKFURT. Ähnliche Geschichten flattern uns täglich auf den Tisch. So hat die Kölner Kanzlei Göddecke Klage gegen die Schweizer Vermögensberatung MWB eingereicht. In Zürich ist das Finanzhaus kaum bekannt, denn sein Geschäft macht es vor allem mit deutschen Mittelständlern. Über Call Center soll MWB Kunden überzeugt haben, ihr Geld in die Schweiz zu schaffen. Am Fiskus vorbei wurde angeblich ein Depotrahmen reserviert, den die Anleger über Jahre ausschöpfen konnten.

In Wahrheit aber verpflichteten sich die Sparer zu festen Ratenzahlungen, lautet der Vorwurf. Das Geld wanderte in Lebensversicherungsverträge und in hochriskante Kreditgeschäfte, zu saftigen Abschlussgebühren und Agien, die für Jahrzehnte im Voraus erhoben wurden. Es ermittelt die Züricher Staatsanwaltschaft, MWB streitet die Vorwürfe ab. Ähnlich traurig sind Meldungen von zahlungsunfähigen geschlossenen Immobilienfonds wie der Falk-Gruppe.

Unterschiedliche Fälle, doch die Warnzeichen gleichen sich. Anrufe zu Hause sind bei Vermögensanlageprodukten verboten. Macht dann der angekündigte Vertreter Druck, ist der Fall erst recht suspekt. MWB etwa köderte mit dem Argument, der Depotrahmen in der Schweiz stünde nur kurze Zeit zur Verfügung. Vorsicht auch bei ungewöhnlich hohen Renditen. Eine Verzinsung von 15 Prozent, wie sie Phoenix versprach, ist unrealistisch. Den Extrakick liefert oft die lockende Steuerersparnis. Doch Steuergesetze ändern sich, und wurde das Geld am Fiskus vorbei angelegt, dann haben die Betrüger ihre Anleger erst recht in der Hand. Vorsicht auch, wenn ständig neue Papiere zu unterschreiben sind. Für eine seriöse Vermögensverwaltung genügt ein einziger Vertrag; darin steht auch, was die Verwaltung kostet. Hat der Verwalter einen Teil seiner Einkünfte verschwiegen, etwa Vermittlerprovisionen, kann der Vertrag rückabgewickelt werden.

A und O ist das Vertrauen in den eigenen Menschenverstand. Was wird mit dem Geld genau gemacht? Stimmt die Risikoklasse? Ein geschlossener Schiffs- oder Immobilienfonds ist eine riskante Unternehmensbeteiligung, keine sichere Geldanlage. Ist klar, wo die Rendite herkommt und welche Geschäfte ihr zu Grunde liegen? Kommt der Anleger jederzeit an sein Geld und erhält er regelmäßig Auszüge? Solche Fragen sind wichtiger als ein Stempel der Wertpapieraufsicht BaFin. Denn sie prüft nur formale Kriterien, nicht aber, ob die Versprechen der Produktanbieter stimmig sind.

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