Bulle und Bär
Anlagen mit Garantie

Die Zertifikatbranche ist immer wieder für Überraschungen gut: Erst veröffentlicht die Emittentenvereinigung Derivate Forum freiwillig eine Aufschlüsselung über die Marktanteile ihrer Mitglieder. Nun lancieren gleich eine Reihe von Emittenten fast täglich neue Garantieprodukte, deren Ausgestaltung kaum transparenter sein könnte: 100 Prozent Kapitalgarantie auf den Nennwert und 100 Prozent Partizipation an der Kursentwicklung bekannter Kursindizes wie den Euro Stoxx 50.

DÜSSELDORF. Vorsichtige Anleger finden in den "Garantiezertifikaten 2.0" von Emittenten wie HSBC, ABN Amro, Goldman Sachs, der DZ-Bank eine spannende Alternative zu alten Garantieprodukten, deren komplexe Ausgestaltung selbst erfahrene Anleger überforderte. Dass die Emittenten gerade jetzt verstärkt mit transparenten Garantieprodukten an den Markt treten, ist schlicht den gestiegenen Zinsen geschuldet, die erstmals seit Jahren wieder attraktive Auszahlungsprofile erlauben.

Wollte ein Emittent in den letzten Jahren ein Garantiezertifikat mit einer Laufzeit von fünf Jahren lancieren, musste er 85 von 100 Euro Nennwert des Garantiezertifikats sicher verzinst anlegen, um den Käufern am Ende 100 Euro zurückzahlen zu können. Mit den übrigen 15 Euro konnte er ein für Anleger interessantes Auszahlungsprofil verbriefen. Heute steht ihm für diesen Teil des Zertifikats mit 21 Euro rund ein Drittel mehr zur Verfügung - jenes Drittel ist es, das Emittenten in Verbindung mit einbehaltenen Dividenden ermöglicht, wieder Garantiezertifikate mit 100 Prozent Partizipation anzubieten. Denn bei einer risikolosen Rendite über fünf Jahre von aktuell 4,7 Prozent benötigen sie nur noch gut 79 der 100 Euro Nennwert je Zertifikat, um Anlegern in fünf Jahren in jedem Fall wieder 100 Euro zurück zu zahlen.

Informierte Anleger können ein Garantiekonstrukt dank des höheren Zinsniveaus auch ganz einfach nachbauen. Wer derzeit über 10 000 Euro verfügt, kann den Betrag in sichere Bundesanleihen mit fünf Jahren Laufzeit anlegen und verfügt dann im Jahr 2012 - Steuern unberücksichtigt - über rund 12 600 Euro.

Selbst ein risikoscheuer Anleger muss aber nicht gleich alles in Zinspapiere stecken. Er kann auch rund 8 000 der 10 000 Euro in sichere Anleihen investieren und rund 2 000 Euro in einen Dividendenauswahlindex wie den populären Stoxx Select Dividend für die 30 dividendenstärksten Werte Europas. Die durchschnittliche Dividendenrendite des Index beträgt derzeit 3,9 Prozent. Unterstellt man nur gegenüber heute konstante Dividenden und gleiche Aktienkurse, blickt der Anleger auf ein Endvermögen von dann ebenfalls 12 600 Euro vor Steuern. Kursgewinne gäbe es als Sahnehäubchen obendrauf.

Für Garantiezertifikate auf einen Aktienindex oder ein Garantieprodukt Marke Eigenbau gilt daher: Hohe Zinsen mögen Gift für die Aktienmärkte sein und eine immer attraktivere Alternative als heiß gelaufene Aktienmärkte. Sie ermöglichen aber auch zögerlichen Anlegern noch, mit begrenztem Risiko den Einstieg zu wagen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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