Bulle & Bär
Anlageprodukte: Simpel statt abstrus

Die Ära komplexer Anlageprodukte scheint sich dem Ende zuzuneigen. Originelle Anlageversprechen wären dann Geschichte.

FRANKFURT. Zum Beispiel acht Prozent Zins, wenn jede Dax-Aktie in elf Monaten höchstens ein Viertel verliert, gleichzeitig die am Funtensee gemessene Temperatur nicht unter minus 25 Grad fällt und Dieter Bohlen die Laufzeit der Anleihe ohne verbale Entgleisung übersteht - Kapitalrückzahlung garantiert.

Auch wenn das Beispiel frei erfunden ist: Abstruseste Konstruktionen wurden Anlegern offensiv verkauft. Die Inhalte waren so durchsichtig wie teergefüllte Eimer. Zur Umsetzung musste der Produktanbieter seine Derivatejongleure in den Kreativabteilungen bemühen. Es herrschte wüster Konstruktionseifer, abzulesen an der Zertifikateinflation.

Nun mögen sich naturwissenschaftlich Interessierte fragen, ob denn die angemeldete Rückkehr zur Einfachheit mit der Evolution in Einklang stehe würde - 200 Jahre nach der Geburt von Charles Darwin. In der Entwicklung von Lebewesen ist deren Konstruktionsaufwand immer weiter gestiegen. Der Mensch gilt als vorläufige Krone der Schöpfung.

Ist ein Rücktauchen in den "finanztechnischen Urschlamm" möglich? Biologen werden abwinken. Sie haben beispielsweise Krabben in ihrer Evolution seit Jahrmillionen untersucht und festgestellt: Rückentwicklungen auf frühere Stufen und damit einfachere Konstruktionsmuster kommen praktisch nicht vor. So mag einen die Sorge beschleichen, die Finanzindustrie gelobe Besserung, habe aber die Finger hinter dem Rücken gekreuzt. Will sagen: Die Branche macht weiter wie bisher, nur mit neuen Produkten und anderen Komplexitäten.

Dennoch geben die Evolutionsforscher Hoffnung. Viele Lebensformen sind trotz oder gerade wegen ihrer simplen Konstruktion ein Erfolgsmodell. Bakterien zum Beispiel existierten bereits lange vor den Menschen. Und es wird sie vermutlich noch geben, wenn die Menschheit längst ausgestorben ist.

Enttäuschte Anleger werden nun nach "primitiven" Investments und damit Gegenmodellen zu den Innovationsexzessen der vergangenen Jahre suchen. Einige existierten schon im Zeitalter der unbelebten Materie. Wir nennen sie Rohstoffe. Manche feiern bereits ein Comeback.

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