Bulle & Bär: Anlagestrategien: Die Börse handelt Zukunft

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Anlagestrategien: Die Börse handelt Zukunft

"Die Krise ist ausgestanden." Nur wenige Ökonomen wagen sich im beinahe depressiven Umfeld mit einer solch mutigen Prognose an die Öffentlichkeit. Allesandro Giraudo, Chefökonom von Tradition Securities and Futures in Paris, tut es.

FRANKFURT. Giraudo zeigt jene Courage, die vielen Vertretern seiner Zunft fehlt. Der Autor finanzwirtschaftlicher Bücher betrachtet den Status quo der Weltwirtschaft losgelöst von aktuellen Kurstrends der Finanzmärkte. Er hat erkannt, dass sich Börsen als Signalgeber sehen und über die Fähigkeit verfügen, schon heute künftige Entwicklungen einzukalkulieren. "Die Finanzkrise ist Gegenwart - die Börse ist Zukunft", sagt Giraudo. Er erinnert Anleger an eine alte Weisheit "Die Hausse startet stets am Tiefpunkt der Baisse."

Als "Indikator der Zukunft" ist die Börse der Realwirtschaft stets um sechs bis neun Monate voraus. Bereits lange Zeit, bevor das Wort "Subprime" den Sprachschatz von Anlegern bereicherte, hatten Börsen in Form sinkender Kurse eindeutige Signale für die kommende Krise ausgesandt. Und als Ökonomen noch Entwarnung gaben und keinerlei Anlass sahen, für Teile der Weltwirtschaft ein Rezessions-Szenario zu zeichnen, hatte die Börse sowohl die Rezession als auch den zu erwartenden Gewinnrückgang längst eingepreist.

Die Vergangenheit kennt unzählige Beispiele dafür, dass sich Trendwenden an Finanzmärkten immer dann einstellen, wenn die eh schlechte Stimmung der Anleger durch zusätzliche Krisen- Nachrichten einen weiteren kräftigen Dämpfer erhalten hat. Wer als Anleger in solchen Phasen überreagiert, Besonnenheit vermissen lässt, sich der durch die Medien verstärkten Hysterie nicht entzieht und die Talfahrt der Kurse durch den Verkauf eigener Positionen noch dynamisiert, spielt jenen in die Hände, die auf diesen Angstfaktor setzen.

In diesem Kontext kann für Anleger ein Blick auf das Verhalten der Superreichen dieser Welt sehr hilfreich sein, die zu diesem Reichtum unter anderem durch erfolgreiche Spekulationen an den Börsen gelangten. Dass zum Beispiel Warren Buffett bereits seit Wochen an den Aktienbörsen der Welt wieder auf der Käuferseite ist, weil er Aktien zahlreicher Unternehmen wieder als werthaltig betrachtet, sollte die weiter zaudernden Anleger nachdenklich stimmen. Buffett geht dabei nicht von jener anlagestrategischen Linie ab, die ihm zum erfolgreichsten Anleger aller Zeiten gemacht hat. Er setzt auf Unternehmen mit gutem Markennamen, gutem Management und exponierter Stellung in ihrer Branche.

Andere große Finanziers orientieren sich darüber hinaus auch am ökonomischen Makrobild - und hier sieht man offensichtlich Licht am Ende des Tunnels. Immer mehr Ökonomen zeichnen heute ein Rezessions- oder Stagflations-Szenario für Teile der Weltwirtschaft. Börsen-Gurus haben dieses Bild bereits vor Monaten gezeichnet. Sie halten heute bereits wieder Ausschau nach ersten Signalen eines Aufschwungs.

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