Bulle & Bär
Anlagestreuung

Man kann den deutschen Schwimmern in Peking vieles vorwerfen. Manche Zeitgenossen schütten kübelweise Spott aus: Wenigstens ertrinkt ihr nicht, aber sagt, wenn ihr einen Rettungsring braucht. Immerhin haben die Athleten die Reise nach China gewagt. Daran können sich Anleger ein Beispiel nehmen. Investoren setzen nämlich kaum einen Fuß vor die Tür. Das sollten sie aber, und sie würden damit sicher eine bessere Performance erzielen als die Schwimmer.

FRANKFURT. Die Ergebnisse einer Umfrage des britischen Vermögensverwalters Schroders fallen noch deprimierender aus als man bisher ahnen konnte. Deutsche haben ein überragendes Vertrauen in ihr Land. Praktisch das gesamte Kapital investieren sie hier. Nur jeder Dritte ist auch jenseits der Grenze im restlichen Europa engagiert. Noch nicht einmal jeder Zehnte hat es in die USA geschafft. Ähnlich ist die Quote für Schwellenländer. An ihrer Bodenständigkeit wollen die Deutschen in den nächsten Jahren festhalten. Es ist, als wären Globalisierung und der Aufstieg der einstigen Entwicklungsländer Ereignisse, die höchstens auf dem Mars oder weiter außen im Sonnensystem von Bedeutung sind.

Wer nach Gründen sucht, muss beim subjektiven Risikoempfinden graben. Die Deutschen wähnten sich auf einer Insel der Glückseligen, urteilt ein Börsenkenner. Es ist kaum zu glauben, dass nicht einmal zwei von hundert hohe Anlagerisiken im eigenen Land wittern. Risiken sehen sie anderswo, in Amerika, Afrika oder eben auch in China. Getreu dem Motto: Was ich nicht kenne und sehe, das ist mir zu riskant, da bleibe ich lieber zu Hause, hier ist es viel sicherer.

Richtig wäre es dagegen, den Schritt über die Grenzen zu wagen. Das hat sich in der Vergangenheit angedeutet. Aus 1 000 Euro, vor rund zwei Jahrzehnten in deutschen Aktien investiert, sind bis heute etwa 6 500 Euro geworden. Ein weltweit gestreutes Engagement in den Industrieländern hätte es zwar nur auf 5 000 Euro gebracht - aber bei geringeren Schwankungen. Reizvoller waren Aktien aus aufstrebenden Ländern. Damit hätte der Anleger heute über 15 000 Euro gespart.

Die Welt wird in Zukunft noch stärker verflochten sein als bisher. Deshalb ist blindes Vertrauen in die Heimat schädlich. Gerade für Altersvorsorgesparer ist die Eingrenzung auf einen winzigen Flecken der globalen Landkarte mit gerade einmal 80 Millionen Einwohnern grob fahrlässig. Es wäre engstirnig zu glauben, man könne den restlichen Globus mit seinen über sechs Milliarden Menschen einfach ignorieren. Ignoranz bestraft die Börse mit Gewinneinbußen.

Fragen der langfristigen Kapitalstreuung sind brandaktuell. Viele Menschen denken über die passende Anlagepolitik nach. Einige wenige haben immerhin die ihnen drohende Altersarmut erkannt, machen sich vielleicht auch wegen der nahenden Abgeltungsteuer ihre Gedanken. Der Rat kann nur lauten: Ein Großteil des Geldes muss auswandern.

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