Bulle & Bär
Anleger achten mehr auf die Gebühren

Weil die Renditen stark gesunken sind, richten Anleger ihr Augenmerk stärker auf die Gebühren für Finanzprodukte. Dies verlockt dazu, die Portfolios umzuschichten - zugunsten einer Anlagekategorie mit Potenzial.
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FrankfurtDie Null ist eine magische Zahl. Weder positiv noch negativ, sie ist nicht Nichts, aber auch nicht Etwas. In der Schule haben wir gelernt: Eine Menge mit der Null darin ist nicht leer. Und genau um diese Zahl hat jetzt ein Rennen eingesetzt: in der Finanzwelt.

Das berührt Anleger. Denn es geht um den Zins, und es geht um bestimmte Gebühren von Wertpapierprodukten. Der bundesdeutsche Staat hat dieses Rennen zeitweise schon für sich entschieden. Bundesbonds mit kurzer Restlaufzeit hatten kurzfristig die Nulllinie durchschlagen und negative Renditen ausgewiesen. Jetzt gibt es für einjährige Papiere knapp 0,1 Prozent Jahresrendite – was auch nicht viel mehr ist als null.

Eigentlich müssten die Gebühren für Wertpapierprodukte sinken; denn die als risikolos betrachteten Anleihen liefern praktisch keine Erträge mehr ab. Und auch bei Aktien sind die goldenen zwei Dekaden schon zur Jahrtausendwende ausgelaufen.

In gewisser Weise haben die Vermögensverwalter reagiert. Aber nur mit dem Ausbau eines einzelnen Geschäftsfelds und oft nur wegen des Kundendrucks: bei den börsengehandelten Indexfonds, gerne als ETFs abgekürzt. Aktive Fonds, bei denen die Verwalter mit ihrer Depotzusammenstellung einen Index schlagen wollen, bleiben teuer. Solche Aktienfonds kosten bis zu zwei Prozent an Jahresgebühren. Kabarettistisch formuliert: Der Anleger müsste eine einjährige Bundesanleihe etwa 20 Jahre halten, damit er mit dem rechnerisch addierten Ertrag die Managementgebühr eines aktiven Fonds für ein Jahr zahlen kann.

Der durchschnittliche Indexfonds ist viel billiger. Er kostet 0,4 Prozent an Jahresgebühr. Und wenn es um die Index-Klassiker bei den Aktien – wie Dax oder Euro Stoxx 50 – geht, sind die dafür aufgelegten Produkte noch preiswerter. Sie liegen meist bei 0,1 Prozent oder etwas darüber.

Es ist nur logisch, wenn sich die Anleger in Zeiten wegbrechender Zinsen und fallender Ertragserwartungen immer stärker auf solche Produkte konzentrieren – wobei die Gebühren nicht die einzige Entscheidungsgrundlage sein können. Der Anbieter State Street Global Advisors hat jetzt die Ergebnisse einer Umfrage vorgestellt, nach der die Investoren in Europa die nächste Kaufwelle bei den Billigheimern vorbereiten. Fast die Hälfte der Befragten will noch in den kommenden zwölf Monaten ihre Bestände an Indexfonds erhöhen.

So verändert die magische Null die Anlagewelt. Die recht jungen ETFs machen den klassischen Fonds das Leben schwer. Noch dazu, weil viele aktive Verwalter weniger Rendite abliefern als ihr Vergleichsindex, an dem sie ihre eigenen Leistungen messen.

Der Autor ist erreichbar unter: narat@handelsblatt.com

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