Bulle & Bär
Anleger als Messegänger

Früher war alles einfacher: Da ging es für Anleger in einem Jahr nach Stuttgart, im anderen nach Düsseldorf. Im jährlichen Wechsel luden die beiden führenden Anleger-Messen Invest und IAM die Privatinvestoren und teilten sich so einen bis dato überschaubaren Markt auf. Doch die Zeiten haben sich geändert.

FRANKFURT. Dass beide Messen mittlerweile jedes Jahr ihre Pforten öffnen - Stuttgart im Frühjahr, Düsseldorf am kommenden Wochenende - hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen ist der mittlerweile seit viereinhalb Jahren anhaltende Börsenaufschwung auch dem konservativsten Anleger nicht verborgen geblieben. Die Depression nach der Jahrtausendwende - von Volkswirten auch "Post-Bubble-Syndrom" genannt - ist damit endgültig Geschichte.

Zum zweiten haben sich auch die Messen selbst gewandelt. So sehr, dass Spötter mittlerweile von "Zertifikate-Messen" sprechen. Denn der Großteil der Stände und Informationsveranstaltungen geht inzwischen zu diesem Thema. Die boomende Branche dreht dafür das ganz große Werberad. Tütenweise Informationsmaterial, Werbegeschenke und Promis sorgen für reichlich Frequenz am Stand.

Grundaussage ist dabei stets, dass mit dem Produktmix aus Rendite und bester Absicherung Verluste wie einst nach den Zeiten der New Economy nicht mehr vorkommen werden. Das ist zwar leider nur die halbe Wahrheit. Die wird allerdings oft auch nur bei ganz hartnäckiger Nachfrage erklärt.

Überhaupt sollten sich interessierte Anleger schon an der Eingangstür von der Ansicht verabschieden, sie würden an allen Ständen nur bestens beraten werden. Anlegermessen bieten die ganze Bandbreite des Investierens. Seriöse Gesellschaften stehen direkt neben zwielichtigen Börsenbriefen und Onlinediensten.

Und die ziehen oft sogar mehr Publikum an. Denn sie bieten auf den ersten Blick schier unglaublich Renditen, haben stets vor allen anderen das Potenzial bis dato völlig unbekannter russischer Rohstoff- oder chinesischer Telekomwerte erkannt und rahmen das in bunte Geschichten ein. Dass solche Stände nur unter Unterhaltungs- Gesichtspunkten interessant sind, wissen die in der Regel sehr gut informierten Anleger. Dennoch siegt bei manchen von ihnen Neugier. Angelockt durch die hohen Renditeversprechungen siegt anschließend die Gier über den Verstand. Beispiele für Enttäuschungen gibt es nicht erst seit "dem Fall Markus Frick" in diesem Jahr zur Genüge.

Vor allem für die Messenbetreiber spannend wird die Frage, ob es Düsseldorf diesmal schafft, den Abstand in der Besuchergunst zu Stuttgart zu verringern. Denn während sich im Schwabenland in den letzten Jahren die Besucherströme durch die Halle drängten, war in Düsseldorf stets gutes Durchkommen möglich. Dabei kam bereits im vergangenen Jahr die Frage auf, ob zwei Anlegermessen jährlich nicht zu viel sind. Diese Frage wird man sich sicherlich nach Ende der IAM neu verhandeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%