Bulle & Bär
Anleger entdecken Uran

Kernkraft war für viele seit Tschernobyl ein Auslaufmodell. Angesichts hoher Energiepreise und des hohen Kohlendioxidausstoßes herkömmlicher Kraftwerke denken viele Länder und Anleger aber 20 Jahre nach dem Gau in der damaligen Sowjetunion um und entdecken die Atomenergie neu. Dabei haben sie gute Gründe.

FRANKFURT. Bisher provoziert das Stichwort Energieknappheit Antworten nach dem Muster: Wenn Öl knapp wird, muss man auf andere fossile Energieträger oder Bio-Sprit ausweichen. Wissenschaftler schlagen hier Alarm. Die Menschheit verbraucht immer mehr Energie, und das durch Verbrennungsprozesse freigesetzte Kohlendioxid heizt die Atmosphäre auf – mit dramatischen Folgen.

Der britische Klimaforscher James Lovelock schimpft an dieser Stelle über die Promotoren alternativer Energien. Ein Schwenk auf Bio-Sprit verschärfe sogar die Probleme: „Das ist eine der verrücktesten Ideen.“ Es sei zwar chic, sich für den aus Agrarrohstoffen wie Mais produzierten Motorenantreiber stark zu machen. Aber sogar die globale Landmasse reiche nicht für große Produktionsmengen. Und eine Ausweitung der Anbauflächen müsste das Ökosystem weiter zerstören, die globale Erwärmung noch beschleunigen.

Uran ist für Lovelock auf absehbare Zeit die einzige Option, weil es viel Energie liefert und praktisch ohne schädliche Emissionen auskommt. Das trennt beide Lager: Bei der Risikoabwägung werfen Atomgegner die Endlagerprobleme des Abfalls und einen immer möglichen – wenn auch unwahrscheinlichen – Unfall in die Waagschale, während Protagonisten den unausweichlichen Treibhauseffekt bei Einsatz anderer Energien nach vorne stellen.

Ganz wie Lovelock denkt der amerikanische Börsenbriefschreiber James Dines, der das atomare Anlagethema in Übersee vor Jahren popularisierte. Die Frage nach dem Lagerproblem für nuklearen Abfall beantwortet er auf seine Weise: „Entweder wird das gelöst, oder wir zittern im Dunkeln.“

Der Preis des Rohstoffs hat sich in fünf Jahren bereits versechsfacht. Wenn die politischen Weichen stärker in die nukleare Richtung gestellt werden, dürften die Aktien der Fördergesellschaften weiter zulegen. Die Titel des kanadischen Weltmarktführers Cameco sind heute zehnmal so teuer wie vor drei Jahren. Aktien von aussichtsreichen Explorationsfirmen wie der australischen Paladin Resources sprangen in zwei Jahren auf mehr als das 30-fache.

Die Hausse macht einen schwindlig. Scharfe Korrekturen wären nur normal. Doch langfristig sprechen die Argumente für Uran und steigende Uranpreise. Die aufstrebenden Länder sind vorne dabei: Allein in China und Indien werden 50 neue Kernkraftwerke gebaut oder sind in Planung.

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