Bulle & Bär
Anleger im Höhenrausch

Der japanische Aktienmarkt ist derzeit eine echte Erfolgsgeschichte. 15 Jahre hatte er Anlegern praktisch nur Verluste gebracht.

Doch nach einer glänzenden Rally 2005 und einer allgemein erwarteten Korrekturphase von Januar bis März nimmt der Standardwerteindex Nikkei 225 nahezu ungehindert wieder eine Barriere nach der anderen. 16 000, 16 500, 17 000, 17 500. Das Schöne daran: Es gibt Grund zu hoffen, dass der Anstieg noch eine Weile weiter geht.

Denn der Höhenflug beruht nicht auf Hoffnung, er spiegelt eine echte Verbesserung der japanischen Wirtschaft wider. So hat sich das Land nach vielen Jahren aus der Deflation befreit. Über mehr als ein Jahrzehnt lähmten sinkende Preise die Wirtschaft und die Konjunktur. Die Konsumenten hielten sich zurück, weil sie auf noch günstigere Preise warteten. Die Wirtschaft investierte nicht, weil der Konsum stagnierte. Die Zentralbank hielt ihre Leitzinsen auf Null. Trotz des billigen Geldes sprang die Wirtschaft nicht an. Fachbegriff: Liquiditätsfalle. Inzwischen liegt die Preissteigerungsrate bei 0,5 Prozent. Die japanische Zentralbank hat ein Ende ihrer Nullzinspolitik angekündigt.

Schon der Vorgänger von Regierungschef Junichiro Koizumi hatte Reformen eingeleitet – der amtierende Premierminister schaffte es, sie auch durchzusetzen. Er zwang die Banken, ihre Vermögensposten – wie Immobilien oder Beteiligungen – realistisch zu bewerten. Die Finanzkonzerne trennten sich von Verlustposten und schwankungsanfälligen Positionen.

Nun ist der alte Filz praktisch abgeschafft, das Kapital verschwindet jetzt nicht mehr in parteifreundlichen Firmen, sondern geht dorthin, wo es die beste Rendite bringt. Die Unternehmensgewinne steigen stärker als anderswo. Die Arbeitslosigkeit liegt unter fünf Prozent, die Wirtschaft soll in diesem Jahr um drei Prozent wachsen. Die Industrie ist zu mehr als 100 Prozent ausgelastet, es müssen neue Fabriken gebaut werden. Ausländische Investoren sind nach dem kurzfristigen Rückschlag Anfang des Jahres wieder bereit, mehr Geld in japanische Aktien zu stecken.

Neben der Exportwirtschaft zieht jetzt auch endlich die Binnennachfrage an. Fondsmanager raten daher, auf Werte zu setzen, die davon profitieren. Dazu gehören neben Banken, Leasinggesellschaften und Immobilientiteln auch Einzelhändler oder Konsumgüterhersteller. Antonio Lorenzotti von Belgrave Capital Management, dessen Japan-Fonds den Nikkei über drei Jahre geschlagen hat, findet etwa den Autohersteller Mazda attraktiv, die Bank Mitsubishi Financial, den Baumaschinenhersteller Komatsu oder die Einzelhandelskette Misukoshi. Wer sich die Suche nach Einzeltiteln nicht zutraut, kann einen guten Fonds oder – billiger – ein Zertifikat auf den breit gefassten Topix-Index kaufen. Er steigt vielleicht nicht mehr so rasant wie bisher, aber er steigt.

hussla@handelsblatt.com

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