Bulle & Bär: Anleger in der Renditefalle

Bulle & BärAnleger in der Renditefalle

Deutsche Staatsanleihen bieten derzeit so gut wie keine Rendite. Deswegen setzen viele Anleger auf Unternehmensanleihen. Allerdings tun das inzwischen zu viele. Das drückt die Renditen.
  • 2

FrankfurtUnternehmensanleihen sind schon lange der Liebling aller Anleger, denen relativ sichere Staatsanleihen wie zum Beispiel aus Deutschland zu wenig Rendite bringen und denen Staatsbonds der Euro-Krisenländer zu riskant sind.

Dabei argumentieren die Firmenbond-Fans, dass die soliden Unternehmen aus den Euro-Kernländern trotz aller Krisenängste Gewinne erwirtschaften und sich Bilanzen besser analysieren und kalkulieren lassen als Staatshaushalte.

So weit so gut. Das Problem ist aber, dass die Papiere inzwischen schon zu beliebt sind. Die Folge: Die Kurse sind gestiegen und im Gegenzug die Renditen für viele Unternehmen aus den Euro-Kernländern auf historische Tiefs gesunken. Im Schnitt bringen auf Euro lautende Anleihen von Konzernen mit guter Bonität abseits der Euro-Krisenländer nur noch 1,9 Prozent Rendite.

Das ist ein voller Prozentpunkt weniger als noch im Januar. Dabei liegt die durchschnittliche Laufzeit bei fünf Jahren. Wer jetzt fünfjährige Anleihen von deutschen Blue Chips wie zum Beispiel Linde, Siemens, Deutscher Telekom, Eon, BMW, Volkswagen oder Daimler kauft, bekommt sogar nur zwischen 1,2 und 1,6 Prozent Rendite.

Die meisten Analysten und Investoren ficht das aber nicht an. Im Gegenteil: Die Analysten von zum Beispiel Goldman Sachs haben gerade Unternehmensanleihen erneut als die attraktivste Anlage im Bond-Universum bezeichnet. Und auch für den Vermögensverwalter Blackrock gehören Unternehmensanleihen weiter zu den attraktivsten Papieren.

Gerechtfertigt ist diese Einschätzung angesichts der niedrigen Renditen kaum. Die Verzinsung passt einfach nicht mit den sich verschlechternden Konjunkturaussichten in der Euro-Zone zusammen. Dazu kommt, dass die Unternehmen zwar in den vergangenen Jahren Schulden abgebaut haben und als besser gerüstet für eine Rezession gelten als vor drei Jahren.

Aber: Die Analysten von Morgan Stanley haben ausgerechnet, dass sich die Schuldenkennziffern von 60 Prozent aller europäischen Firmen in diesem Jahr zumindest wieder leicht verschlechtert haben.

Attraktiv sind die Anleihen höchstens im Vergleich zu dem guten halben Prozent Rendite, das es für zum Beispiel fünfjährige Bundesanleihen gibt. Aber auch hier ist Vorsicht angesagt. Schließlich sind die Renditen von Bundes- und bonitätsstarken Unternehmensanleihen eng korreliert. Das heißt: Wenn die Bund-Renditen steigen, wird das auch die Renditen der Anleihen von Unternehmen mit nach oben ziehen - und deren Kurse nach unten drücken.

Kommentare zu " Bulle & Bär: Anleger in der Renditefalle"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Bei einer renommierten Wirtschaftszeitung sollte man annehmen, daß in der redaktion Kenntnisse über die Zinseszinsrechnung vorhanden sind. Beispiele aus dem Artikel:
    Wenn in 10 Jahren aus 1000 Euro 1092 geworden sind, dann ist der durchschnittliche Zinssatz etwa 0,88%.
    Oder:
    Wenn in 10 Jahren aus 1000 Euro 1239 geworden sind,dann ist der durchschnittliche Zinssatz etwa 2,17%.
    Ganz schöne Unterschiede?

  • Es stimmt einfach nicht,dass mit Staatsanleihen nichts zu verdienen ist,man kann zum Beispiel in Rentenfonds der Schwellenländer anlegen. Mit Basketsfonds aus Brasilien,Inden,Russland,China u.a. kam man in den letzten 5 jahren auf eine Durchschnittsrendite von 8%-10 % per anno !Man muss sich nur informieren,nachfragen und darf sich von seinen Bankberater nicht das ihm Nächstliegende aufschwatzen lassen.

Serviceangebote