Bulle & Bär
Anleger setzen auf Japans Zukunft

Trotz aller Schreckensmeldungen: Die Börse setzt darauf, dass es in Japan früher oder später wieder normal und geordnet zugehen wird. Eine riskante Wette, die belohnt werden könnte.
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FrankfurtNoch ist längst nicht klar, ob die Lage in Japan nicht doch noch in eine weitaus größere Katastrophe führen wird, wie sehr die Wirtschaft dort in diesem Jahr einbrechen und der Wohlstand der Bevölkerung schrumpfen wird. Doch schon jetzt spielen viele an der Börse mit großen Summen die Frage durch: Wer wird vom anstehenden Wiederaufbau am meisten profitieren? Die Kraftwerksbauer von Siemens über ABB bis Alstom waren gestern die großen Gewinner am Markt. Ebenso Baufirmen wie Bilfinger Berger oder Hochtief, Stahlkonzerne wie Thyssen Krupp oder Bauzulieferer wie Heidelberg Cement.

Ist es rücksichtslos, gar pietätlos gegenüber den Opfern, jetzt schon an die möglichen Gewinner in der Zeit danach zu denken? Beispiel Siemens: Der Konzern hat Angebote für neue Kraftwerke beim japanischen Energieriesen Tepco abgegeben. Beispiel Analystenempfehlungen: Viele raten zum Kauf deutscher Autoaktien, weil diese davon profitieren könnten, dass die japanische Konkurrenz wegen verminderter Fertigungskapazitäten in nächster Zeit nicht die hohe Nachfrage am Weltmarkt bedienen könne.

Die Börsen spielen im Moment ein trotz aller Schreckensmeldungen positives Szenario durch. Das ist riskant, es steht quasi rund um die Uhr auf dem Prüfstand. Es ist aber gleichzeitig ein Spiel auf Zeit, steigt doch mit jedem weiteren Tag die Wahrscheinlichkeit, dass die Temperaturen in den Reaktoren sinken und die Katastrophe überschaubar bleibt. Wer hier früh – vielleicht anfangs auch nur mit kleinem Geld – auf diese riskante Wette setzt, der könnte am Ende belohnt werden. Wohl wissend, dass vielleicht schon in der kommenden Woche eine weit größere Zahl von Investoren auch so denkt und ein Teil der Gewinne dann schon gelaufen ist.

Wer hinter all diesem Treiben das böse Spiel geldgieriger Spekulanten auf dem Rücken eines katastrophengeschüttelten Volks vermutet, der übersieht, dass hinter dem Treiben an den Märkten ein positiver Grundgedanke steckt. Die Mehrzahl der Börsianer hat Japan nicht aufgegeben. Sie erwarten vielmehr, dass es dort nach einigen Monaten, vielleicht auch Jahren, wieder zu einem Leben und Arbeiten in normalen und geordneten Bahnen kommen wird. Das wird anders sein als vorher. Es wird aber auch dann wieder viele Chancen an der Börse bieten.


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