Bulle & Bär: Anleger sollten ihre Strategie neu ausrichten
Eichels Vorstoß gegen Steuersparfonds vorerst gestoppt

Und wieder wurden die Anleger in die Irre geführt. Deutschlands geschäftsführende Regierungspolitiker können sich auf die Schulter klopfen. Der Paragraph 15b Einkommensteuergesetz (EStG), der die Verrechnung von Verlusten aus geschlossenen Fonds auf zehn Prozent beschränkt, kommt wahrscheinlich doch nicht so schnell wie geplant.

Der Noch-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat seine schützende Hand über die Windkraft-Fonds gehalten, für die das Gesetz das sofortige Ende bedeutet hätte. Er hat die im Umlaufverfahren erbetene Unterschrift unter einen Kabinettsbeschluss verweigert. Damit hat die künftige Oppositionspartei ihren Partner in der jetzt zu Ende gehenden gemeinsamen Regierungszeit überraschend ausgebremst. Finanzminister Hans Eichels (SPD) Handstreich, der ab heute das sichere Ende der Steuersparmodelle bedeutet hätte, ist zunächst misslungen.

Doch die Verunsicherung bei den Emissionshäusern und Vertrieben geschlossener Fonds wie auch ihren Zeichnern ist nicht gewichen. Die Zeichner können es ab heute halten wie frisch verliebte junge Männer, die der Zuneigung ihrer Angebeteten nicht vollkommen sicher sind. Denen wird empfohlen, ein Gänseblümchen zu pflücken und solange Blütenblätter – „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht?“ – zu zupfen.

So lange, bis das letzte Blatt Aufschluss darüber gibt, ob der Anleger steuermindernde Verluste geltend machen kann oder nicht. Denn ganz gleich, ob der § 15b EStG jetzt, einen Monat später oder erst im nächsten Jahr in Kraft tritt – niemand kann ausschließen, dass die Finanzverwaltung ab dem 11. November beigetretenen Film- und Windkraftfonds-Anlegern die Anerkennung der steuermindernden Anfangsverluste rückwirkend verweigert. Das Argument der Behörde könnte lauten, es sei ja der erklärte Wille gewesen, diese Art der Steueroptimierung zum 10. November zu beenden.

Man erinnere sich an das Frühjahr 2005. Damals stand der § 15b EStG schon einmal zur Diskussion. Wäre er noch im Juli vor der Sommerpause verabschiedet worden, wären die Steuervorteile auch nur für Beitritte bis 4. Mai gewährt worden, wenn der Fonds gleichzeitig vor dem 18. März aufgelegt worden wäre.

Wer sich jetzt dennoch an einem Fonds beteiligt, dessen Anbieter ihm mehr als zehn Prozent steuermindernde Anfangsverluste zusichert, sollte auf der Rückzahlung seiner Einlage bestehen, falls das Finanzamt ihm den Steuervorteil später nicht gewährt.

Viel vernünftiger ist es allerdings, sich an die neuen Zeiten zu gewöhnen, die bei den geschlossenen Immobilienfonds längst angebrochen sind. Die stehen unter dem Motto: Die Rendite kommt von der Immobilie und nicht mehr vom Finanzamt. Und die Beteiligung an solchen Fonds muss dann nicht mehr in diesem Jahr übers Knie gebrochen werden. Zumal ab nächstem Jahr immer mehr Angebote auf den Markt kommen werden, die auf Doppelbesteuerungsabkommen basieren und nach dem Grundprinzip funktionieren, dass Steuern aufgrund von Freibeträgen oder niedrigen Steuersätzen im Ausland vermieden werden.

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