Bulle & Bär
Anleger - sprunghaft wie kleine Kinder

Analysiert man das Investorenverhalten der vergangenen Wochen, drängen sich Vergleiche mit Kleinkindern auf: Sie quengeln, ändern ständig ihre Meinung und vergessen letztlich rasch, warum sie eigentlich gequengelt haben.

FrankfurtEs ist schon erstaunlich: Da macht US-Notenbankchef Ben Bernanke am Freitag so ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was alle an den Börsen eine Woche lang erwarten. Und plötzlich finden es alle gut! Haben sich die Investoren vorher verhalten wie quengelnde Kinder, die so lange die Nerven ihrer Eltern malträtieren, bis sie endlich ein Eis bekommen, möchte man fragen. Auch da behalten die Erziehungsberechtigten zumindest manchmal den Durchblick und fallen nicht auf diese Masche rein.

Viele Investoren haben sich in den vergangenen Woche wie kleine Kinder verhalten. Sie taten so, als drohe der konjunkturelle Weltuntergang, gäbe es nicht auf der Stelle ein neues Paket zur Stimulierung der Wirtschaft. Nun haben sie das eben nicht bekommen, die nächste nervtötende Attacke dürfte allerdings nicht lange auf sich warten lassen.

Viel entscheidender ist allerdings - und auch das erinnert an kleine Kinder -, dass die Börsianer alles von dem, was sie gerade noch laut von sich gegeben haben, schon wieder vergessen haben. Und dass sie jetzt vom Gegenteil überzeugt sind. Wenn Bernanke kein neues Stabilitätspaket auflegt, dann kann es um den Zustand der USA längst nicht so schlecht bestellt sein, wie das manche Berufspessimisten glauben machen wollen. Die USA sind schließlich immer noch „Gods own country“, sie haben gerade erst den schlimmsten Wirbelsturm seit Christi Geburt überstanden. Auch die Wall Street wurde nicht weggeschwemmt, sondern eröffnete gestern pünktlich wie immer.

Sogar das Sparen wurde den Amerikanern zu Vorwurf gemacht.

Und wer, wenn nicht die Amerikaner selbst, würden so was zum Anlass nehmen, nicht künftig in noch größeren Dimensionen zu denken. Erste Tendenzen, Eigenverantwortung zu pflegen und nicht immer gleich nach dem Staat zu rufen, gibt es seit geraumer Zeit. So haben die jahrelang so konsumwütigen Amerikaner das Sparen entdeckt. Es ist also gerade das passiert, was man sich als hier so vorbildlicher Deutscher immer gewünscht hat. Die Reaktion an den Börsen war indes so, als bräche in den USA der private Konsum komplett zusammen.

Es sind diese ständigen Aufgeregtheiten, stets unterlegt mit dem ultimativen Unterton, es gäbe nur diese eine Wahrheit, die das Börsengeschehen für Außenstehende immer unverständlicher machen. Warum das, was heute so ist, morgen ganz anders sein soll, leuchtet zu Recht nicht ein. Diese Sprunghaftigkeit gibt es sonst schließlich in keiner anderen Branche. Man stelle sich vor, Siemens, Eon oder Daimler würden sich täglich mit neuen Begründungen die Dinge im Tagesgeschäft zurechtlegen. Lediglich kleine Kinder zeigen oftmals vergleichbare Züge.

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