Bulle & Bär
Anleger verlieren Interesse an chinesischen Firmen

Vor drei Jahren ging das erste chinesische Unternehmen an die Deutsche Börse. Das Interesse der Anleger war groß, die Kurse explodierten. Mittlerweile ist die Euphorie vorbei. Warum sich Ernüchterung breitgemacht hat.

FRANKFURT. Gut drei Jahre liegen zwischen Wohl und Wehe, zwischen Euphorie und Belanglosigkeit: Als im Sommer 2007 mit Zhong De, einem Entwickler und Erbauer von Müllheizkraftwerken, das erste chinesische Unternehmen an die Deutsche Börse ging, war das Interesse bei Anlegern groß. Am Ende des Jahres war die Aktie der erfolgreichste Neuzugang an der Deutschen Börse. Es folgte der Bambusproduzent Asian Bamboo. Und im zweiten Anlauf schaffte auch der Mobilfunkspezialist Vtion ein erfolgreiches Debüt.

Drei Jahre später hat sich Ernüchterung breitgemacht. Zhong De und Vtion notieren deutlich unter ihrem Ausgabepreis, einzig die Wachstumsstrategie bei Bambus von Asian Bamboo hat seither überzeugt. Der Kurs der Aktie hat sich mehr als verdoppelt.

Von den Börsenneulingen aus dem Reich der Mitte sind dieses Jahr mit United Power und CSG zuletzt zwei Werte bei den Anlegern durchgefallen. United Power produziert Stromgeneratoren, CSG stellt Spezialglas her, das auch kugelsicher sein soll. Und Joyou, das einzig erfolgreiche chinesische Börsendebüt in diesem Jahr im deutschen Premium Segment Prime Standard, notiert nach einem kurzem Zwischenspurt zumindest wieder auf dem Preis von 13 Euro. Zu diesem Kurs war der Hersteller von Armaturen vor Ostern an der Börse gestartet.

Die Probleme bei den Investoren sind offensichtlich

Mehrere Gründe sind für das gewichene Interesse verantwortlich. Zum einen mehren sich in den vergangenen Wochen die Stimmen, die vor eine Überhitzung in China warnen, wodurch zweistellige Wachstumsraten wie zuletzt nicht mehr möglich sind. Es gibt aber auch hausgemachte Probleme der Kandidaten selbst. Klangen deren Geschäftsideen vor Jahren noch für deutsche Investoren hochinteressant - Zhong De produziert kleine Müllheizkraftwerke in einem Land, in dem noch immer rund 90 Prozent des Mülls auf Deponien landet, Asian Bamboo profitiert von der rasant gestiegenen Nachfrage nach Bambus am Bau und im Lebensmittelbereich -, so kam zuletzt Alltägliches.

Dass man Wasserhähne auch in anderen Qualitäten als bei Joyou herstellen kann, wissen deutsche Anleger, wenn sie im eigenen Badezimmer die Produkte von Grohe oder Ideal Standard betrachten. Und Generatoren zur Stromgewinnung, wie sie United Power anbietet, mögen für Chinesen eine große Bedeutung haben, hierzulande führen sie in Baumärkten eher ein Nischendasein.

Noch dazu sind all die genannten Unternehmen nach hiesigen Standards relativ klein. Doch keines hat bisher die Aufnahme in das Kleinwertesegment SDax geschafft. Und wer hier nicht dabei ist, der wird selbst als deutsches Unternehmen kaum wahrgenommen.

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