Bulle & Bär
Anleihen bald wieder einen Blick wert

Das Bild an den Anleihemärkten hat sich in den vergangenen zweieinhalb Monaten komplett gedreht. Mitte März hatte die Angst vor den Folgen der Subprime-Krise die Investoren noch fest im Griff. Sie trieb die Anleger in Staatsanleihen. Gleichzeitig preisten die Bondmärkte Zinssenkungen der EZB ein. Jetzt nehmen die Märkte Zinserhöhungen vorweg.

FRANKFURT. Das Bild an den Anleihemärkten hat sich in den vergangenen zweieinhalb Monaten komplett gedreht. Mitte März hatte die Angst vor den ökonomischen Folgen der Subprime-Krise die Investoren noch fest im Griff. Sie trieb die Anleger in Staatsanleihen, bei denen das Geld vor Zahlungsausfällen geschützt ist. Gleichzeitig preisten die Bondmärkte Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) ein.

Jetzt nehmen die Märkte Zinserhöhungen vorweg. Getrieben wurden sie dabei zunächst von steigenden Inflationsraten und Warnungen von Notenbankern vor dieser Teuerung. Am vergangenen Donnerstag schloss dann EZB-Chef Jean-Claude Trichet überraschend eine kleine Zinserhöhung - sprich ein Schritt um einen viertel Prozentpunkt auf 4,25 Prozent - explizit nicht aus.

Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe ist seit Mitte März um bis zu 1,7 Prozentpunkte auf über 4,6 Prozent in die Höhe geschossen. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte am Donnerstag mit gut 4,5 Prozent und warf damit 0,8 Prozentpunkte mehr ab als vor zweieinhalb Monaten. Angesichts der Unsicherheit mit Blick auf Inflation und Zinserhöhungen dürften die Bond-Renditen zwar noch etwas weiter anziehen. So langsam sind aber vor allem langlaufende Anleihen wieder einen Blick wert.

Dafür spricht zum einen, dass sich die Finanzkrise wieder zuspitzen und Anleihen erneut begehrter machen könnte. Neue Krisenherde gibt es genug: Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte zuletzt die Kreditwürdigkeit von US-Investmentbanken mit dem Verweis auf weitere Abschreibungen herab. In Großbritannien schockte die Hypothekenbank Bradford & Bingley mit einem düsterem Ausblick für den britischen Häusermarkt. Und der Ausgangspunkt der Krise - der Preisverfall am US-Immobilienmarkt - ist noch nicht gestoppt. Eine Rezession in den USA ist somit alles andere als vom Tisch. Nach schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt am Freitag fiel die zehnjährige Bund-Rendite bereits wieder auf 4,4 Prozent.

Dazu kommt, dass die hohen Verbraucherpreise von zuletzt 3,6 Prozent im Euro-Raum zwar empfindlich an der Rendite von Staatsbonds zehren. Sie dämpfen aber auch die Ausgaben von Verbrauchern und Unternehmen. Das belastet die Konjunktur und mindert somit den Preisdruck. Außerdem ist die höhere Inflation vor allem auf die drastischen Anstiege der Öl- und Lebensmittelpreise zurückzuführen, die kaum weiter so anziehen dürften wie bisher.

Schließlich würden Zinserhöhungen der EZB der ohnehin schon schwächelnden Konjunktur einen weiteren Dämpfer verpassen. Zinsanhebungen verteuern Kredite. Kredite über den Kapitalmarkt sind als Folge der Finanzkrise aber ohnehin schon deutlich teurer geworden.

Dieser Kreislauf macht es wahrscheinlich, dass die Hoffnungen auf Leitzinssenkungen gegen Ende des Jahres wieder aufflammen. Das würde dann auch die Anleiherenditen wieder drücken.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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