Bulle & Bär
Anleihen: Nichts für Neueinsteiger

Staatsanleihen haben in den vergangenen vier Wochen eine beeindruckende Rally hingelegt. Der Kurs von zum Beispiel der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe - dem Maß aller Dinge für die Stimmung am Rentenmarkt der Euro-Zone - ist um 3,9 Prozent gestiegen. Doch derzeit ist nicht der richtige Zeitpunkt, einzusteigen.

FRANKFURT. Zugegeben, Aktieninvestoren mag ein Kursanstieg von 3,9 Prozent nicht viel erscheinen. Anleihen schwanken aber wegen ihrer Konstruktion, durch die sie am Ende der Laufzeit zurückgezahlt werden, per se viel weniger als Aktien.

Der Kursanstieg der Rentenpapiere ist gut für Anleger, die bereits vor vier Wochen investiert waren. Für Investoren, die neu bei Bonds einsteigen wollen, sieht die Lage anders aus. So hat der Kursanstieg der zehnjährigen Bundesanleihe im Gegenzug ihre Rendite um gut einen halben Prozentpunkt nach unten getrieben. Und die derzeitigen knapp 4,2 Prozent sind weniger attraktiv als die fast 4,7 Prozent, die man noch in der zweiten Juli-Hälfte bekam. Für kürzerlaufende Papiere gibt es mit vier Prozent noch etwas weniger Rendite, und in den USA sind die Kapitalmarktzinsen deutlich unter vier Prozent gesunken.

Aus derzeitiger Sicht spricht viel dafür, noch nicht zuzugreifen, sondern abzuwarten, bis deutsche Anleihen wieder um die viereinhalb Prozent bringen. Denn die Gefahr, dass die Renditen auch hierzulande mittelfristig wieder unter vier Prozent fallen und Anleger so jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt verpassen, ist gering. Abwarten ist übrigens auch die Devise für Unternehmensanleihen. Der Renditerückgang der Staatspapiere hat nämlich auch die Renditen der Firmenbonds mit nach unten gezogen, so dass es für zum Beispiel für Euro-Bonds von Firmen mit guter Bonität jetzt im Schnitt nur noch 5,6 statt wie vor ein paar Wochen sechs Prozent Rendite gibt.

Auslöser für den jüngsten Renditerückgang gab es vor allem zwei. Zum einen schwand die Hoffnung, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone vom Konjunkturrückgang in den USA abkoppeln kann. Die Wirtschaft im Euro-Raum ist im zweiten Quartal geschrumpft, und viel Optimismus für die nächsten Quartale gibt es nicht mehr. So sind sowohl Stimmungsindikatoren wie die europäischen Einkaufsmanagerindizes oder der Ifo-Geschäftsklimaindex als auch harte Wirtschaftsdaten aus der Industrie oder dem Einzelhandel deutlich gesunken. Diese Erwartung spielen die Bondrenditen jetzt aber schon wieder, so dass es weniger Luft für weiter sinkende Renditen gibt.

Zweiter Auslöser für den Renditerückgang war der deutlich gefallene Ölpreis, der die Inflationssorgen der Anleger dämpfte. Zum einen steht aber zu befürchten, dass der Ölpreis und mit ihm die Ängste vor höheren Verbraucherpreisen wieder anziehen. Zudem wird die Inflation auch durch steigende Löhne und importierte Inflation über den Preisanstieg in vielen Schwellenländern getrieben. Auch dies könnte die Bondrenditen bald wieder etwas nach oben klettern lassen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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