Bulle und Bär
Anleihen: Sturm auf vier Prozent

Die Zahl der Anleihe-Optimisten wächst; die Kurse steigen kräftig. Spiegelbildlich sinken die Renditen der zehnjährigen Anleihen Richtung vier Prozent - sowohl bei den Treasuries als auch bei den heimischen Bundespapieren. Zuletzt lag die Effektivverzinsung der US-Staatsbonds im Juni 2005 unter dieser wichtigen Marke, bei der Bundesanleihe im März dieses Jahres.

Verursacht wird die Talfahrt von den zunehmend trüberen Perspektiven für die US-Wirtschaft. Das Debakel um die schlechten Hypothekendarlehen ist nicht ausgestanden und könnte von den Banken weitere Abschreibungen in dreistelliger Milliardenhöhe fordern. Diese Aussicht ängstigt nicht nur die Banker, sondern auch die Anleger.

Wirtschaftsexperten ändern ihre Erwartungen. Immer mehr Analysten warnen vor einer möglichen Rezession. Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist "sehr pessimistisch". Diese Einschätzungen rufen den obersten Herrn der Zinsen, US-Notenbankchef Ben Bernanke, auf den Plan.

Zwei Mal hat Bernanke während der vergangenen Monate den Leitsatz gesenkt. Nur das hält die Konjunktur in der Spur, so die Hoffnung. Doch die aktuellen 4,5 Prozent werden kaum reichen. Ein Querdenker wie Lacy Hunt von Hoisington Investment Management nennt sogar zwei Prozent als Zielmarke für die kommenden Jahre.

Auch die Finanzmarktakteure reagieren: Der Kombipack aus schwelender Kreditkrise und drohender Rezession drängt die Investoren in sichere Anlageformen. Das beschert dem vermeintlich langweiligen Klassiker "Staatsanleihe" ein Comeback. Viele Ökonomen haben das neue Szenario noch nicht auf dem Radar. Sie peilen etwa für die zehnjährige US-Staatsanleihe Ende nächsten Jahres durchschnittlich 4,75 Prozent an. Da dürfte es in den kommenden Monaten wohl zahlreiche Korrekturen nach unten geben.

Die Anleger scheinen mit Zinstiteln vorerst gut aufgehoben zu sein. Die Sicherheit ist allerdings trügerisch. Der langfristige Zinssenkungstrend nähert sich seinem Ende: Er startete vor über zwei Jahrzehnten, im September 1981 bei heute utopisch wirkenden 15,7 Prozent. Das anschließende Tief lag bei 3,10 Prozent und datiert aus dem Juni 2003.

Ungemach droht außerdem von der Währungsseite. Der massive Wertverlust des Dollars vermiest Auslandsinvestoren die Lust auf US-Wertpapiere. Eine wachsende Zahl dieser Anleger beginnt sich vom Greenback zu distanzieren. Hält der Trend an, werden die Anleihekurse kräftig unter Druck geraten.

Per Saldo dürften Bundesanleihen an den Zinstrend in Übersee gekoppelt sein. Aber wer auf Festverzinsliche besteht, der sollte sich mit heimischen Papieren begnügen und so zumindest die Währungsrisiken meiden. Kurze Laufzeiten begrenzen die Kursrisiken - sicher ist sicher.

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