Bulle & Bär
Apple? Da geht noch Einiges

Für Apple-Aktionäre waren die letzten Tage eher wechselhaft. Der verspätete Start des Betriebssystems „Leopard“ setzte den Kurs unter Druck. Doch keine Panik. Auch wenn es vielleicht überraschend klingt: Für Apple könnte dieses Jahr eines der erfolgreichsten in der Firmengeschichte werden.

FRANKFURT. Freilich braucht es dazu ein wenig Geduld. Denn in den nächsten Wochen könnte noch die eine oder andere schlechte Nachricht kommen. Auch wenn der Verkauf von Software – darunter fällt „Leo“ – bei Apple traditionell nicht die erste Geige spielt, so sind die kurzfristigen Folgen derzeit schwer abzuschätzen. Rund eine Milliarde Dollar setzt der US-Konzern jährlich mit Betriebssystemen und Anwendungen um.

Wie stark diese Einnahmen leiden werden, ist unklar. Natürlich können die Kunden weiterhin einen Apple-Rechner kaufen, das bisherige Betriebssystem „Tiger“ ist als zuverlässig und stabil bekannt, muss sich gegenüber dem frisch auf den Markt gebrachten Microsoft Vista keinesfalls verstecken.

Doch hat ein neues Betriebssystem bei den Umsätzen bislang immer für ein regelrechtes Feuerwerk gesorgt. Als Apple 2005 „Tiger“ auf den Markt brachte, schnellten die Softwareumsätze um über 60 Prozent in die Höhe. Das fehlt nun erst einmal. Hinzu kommen die Folgen für den Verkauf von Macintosh-Rechnern. Neue Software lockt nun mal zum Kauf eines neuen Gerätes. Jetzt dürften die Kunden erst einmal abwarten.

Doch abwarten heißt ja nicht abblasen. Selbst wenn Apple ein paar Millionen Dollar im Quartal fehlen werden, verloren sind sie nicht. Im Gegenteil: In der zweiten Jahreshälfte wird Apple mächtig aufdrehen. Das beginnt im Sommer. Dann soll das „iPhone“, das Multitalent zwischen Handy und Musikgerät, auf den Markt kommen. Ob dies nun Ende Juni oder doch erst im Juli geschieht, wie spekuliert wird, ist am Ende irrelevant. Das neue Apple-Gerät dürfte für neuen Umsatz sorgen. Bis zu 850 000 iPhones, so schätzen Analysten, könnten noch in diesem Jahr über den Ladentisch gehen. Bei Preisen zwischen 499 und 599 Dollar je Gerät kämen da satte Zusatzerlöse in die Kasse. Bis Ende 2008 will Apple-Chef Steve Jobs sogar bis zu zehn Millionen iPhones an die Frau und an den Mann gebracht haben.

Und wer weiß? Vielleicht geht ja Jobs Strategie ein weiteres Mal auf, mit neuen Geräten für neue Kunden in neuen Märkten auch neue Fans für das Kerngeschäft mit den Mac-Rechnern zu gewinnen. Beim Musikgerät iPod hat das bereits bestens geklappt.

Weiter geht es im Herbst. Dann kommt „Leo“ auf den Markt, mit den zu erwartenden und bereits beschriebenen Effekten. Zusätzlich will Apple neue Laptops vorstellen. All das deutet auf eine wirklich gute „Apfelernte“ für die Aktionäre hin. Da interessieren doch mögliche Enttäuschungen in den kommenden Wochen keinen mehr – höchstens als gute Gelegenheit für einen Ausbau des Apple-Engagements.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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