Bulle und Bär
Asien: Risiken Reloaded

Das Jahresende naht, und die Börsen verabschieden sich in die vorweihnachtliche Ruhe – sollte man meinen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Über Nacht crasht der thailändische Aktienmarkt, Anleihen und die Landeswährung fahren gleich mit zu Tal. Erinnerungen an die Asienkrise vor einem knappen Jahrzehnt werden wach.

FRANKFURT. Aber auch jenseits fernöstlicher Kursstürze verschärfen sich einige der globalen Risiken. An erster Stelle steht das Thema Rohstoffengpass, und hier die die Energieknappheit. Mit näher rückendem Ultimo dringt es noch einmal ins Bewusstsein. Der Ölpreis scheint über der Marke von 60 Dollar je Barrel einen festen Boden gefunden zu haben und eher wieder nach oben zu tendieren.

Dazu passt der absehbare Politikwechsel in Amerika. Ein Rückzug aus dem Irak gewinnt Konturen. Auch wenn alternative Szenarien umstritten sind: Die Politikwende dürfte ein schlechtes Omen für die Stabilität in der wichtigen Ölförderregion am Persischen Golf sein. Das sprichwörtliche Öl ins Feuer goss vor kurzem ein Vertreter aus Saudi-Arabien, der im Ernstfall für die Entsendung eigener Soldaten in den Irak plädierte.

Während sich am Ölmarkt neue Turbulenzen andeuten, schießt der Preis eines anderen Energieträgers durch die Decke. Für ein halbes Kilo Uran müssen Unternehmen jetzt mehr als 70 Dollar zahlen. Die Knappheit wird immer deutlicher spürbar. Das spaltbare Material ist heute sieben Mal so teuer wie vor sechs Jahren. Rasch rückt die Realität an die Prognosen der Uran-Optimisten heran: den dreistelligen Preis. Früher wurden diese Auguren belächelt, heute nimmt man sie ernst.

Die Vertreter der Finanzwelt verdienen übrigens prächtig in der risikoreichen Welt. Investmentbanker streichen exorbitante Boni ein. Sie werden damit Teil eines neuen globalen Risikos: der zunehmend ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung. Während sich die oberste Spitze der Reichen in praktisch allen Teilen der Welt immer weiter vom Durchschnitt absetzt, leiden die Vertreter aus den durchschnittlichen und unteren Einkommensschichten unter realen Lohnverlusten.

Anleger müssen ihre Liste der globalen Risiken erweitern. Eine sich öffnende Einkommens- und Vermögensschere könnte in sozialen Unruhen münden. Die Folgen für die Finanzmärkte wären offensichtlich. In einem vergifteten sozialen Klima würden die Kurse nicht gedeihen. Aber dieses Thema wird erst Übermorgen Schlagzeilen machen.

Schon heute dagegen strahlen die Energieengpässe auf die Kapitalmärkte aus. Weiter steigende Rohstoffpreise deuten nach Ansicht mancher Fachleute auf künftig höhere Inflationsraten hin. Im kommenden Jahr dürften daher neben dem Dauerbrenner Rohstoffe Anlagen mit Inflationsschutz zu einem wichtigen Thema avancieren.

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