Bulle & Bär
Auf den Spuren der Brics

FRANKFURT. Als Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill 2003 sein Bric-Konzept vorstellte, legte er damit den Grundstein für eine der erfolgreichsten Anlagestorys seit Jahren. Die Börsen in Brasilien, Russland, Indien und China haben seither kräftig zugelegt. Auch Privatanleger sind über diverse Bric-Fonds und -Zertifikate nicht zu kurz gekommen.

Ende 2005 hat O’Neill in einer Studie elf weitere Staaten benannt, die seiner Meinung nach in den kommenden Jahren unter die führenden Volkswirtschaften der Welt vorstoßen werden. Und auch wenn der Ökonom betont, dass diese „Next Eleven“ (N-11) kein Thema für Privatanleger seien, gibt es jetzt die ersten Anlageprodukte auf die neuen Hoffnungsträger. Fast zeitgleich haben in der vergangenen Woche die Deutsche Bank und ihre Fondstochter DWS N-11-Zertifikate auf den Markt gebracht.

Was alle potenziellen Bric-Nachfolger verbindet, sind große Bevölkerungen mit einer gesunden Altersstruktur und ein hohes Wirtschaftswachstum. Darüber hinaus sind die einzelnen Staaten aber höchst verschieden. Die Elfer-Gruppe reicht vom hoch entwickelten Südkorea über Mexiko, die Türkei, Ägypten, Vietnam, Indonesien und die Philippinen bis hin zu armen Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Nigeria und Iran. Gerade bei den letzten Kandidaten stehen der Annahme großen Wachstumspotenzials hohe Risiken gegenüber.

Im Falle von Bangladesch, Iran und Nigeria sind die Einzelrisiken so hoch – und die lokalen Finanzmärkte so unterentwickelt –, dass DWS und Deutsche Bank in ihren Zertifikaten auf Aktien aus diesen Ländern zunächst verzichten. An den restlichen Börsen sind beide Häuser aber fündig geworden.

Das Produkt der Deutschen Bank, das auf dem SBox-N11-Index der Stuttgarter Börse basiert, investiert in die jeweils fünf größten Aktien aus den verbliebenen acht Staaten, wobei sich die Ländergewichte nach dem erwarteten Wirtschaftswachstum im Folgejahr richten und alle sechs Monate angepasst werden. Auf aktives Management setzt dagegen die DWS. Das über die Tochter DWS Go emittierte N-11-Zertifikat basiert auf einem Index von Standard & Poor’s, der kontinuierlich überprüft wird. Zu Beginn umfasst er 22 Titel, den höchsten Anteil haben mexikanische und südkoreanische Aktien.

Welchem Produkt sie den Vorzug geben, müssen Investoren letztlich daran festmachen, welchen Börsen der N-11-Staaten sie am meisten zutrauen. In den vergangenen Jahren haben alle gut abgeschnitten. Verglichen mit Einzelinvestments an den Exotenbörsen überzeugen beide Papiere durch eine deutlich bessere Risikostreuung. Das macht sie – trotz der Bedenken von Jim O’Neill – auch für Privatanleger als Beimischung im Depot interessant. Zwar erhöht die geringere Liquidität an den Märkten die Gefahr starker Kursschwankungen. Wenn sie aber nur einen Teil der Dynamik der vergangenen Monate beibehalten, haben auch die Next Eleven das Zeug, eine Erfolgsgeschichte zu werden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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