Bulle & Bär
Auf die Zahlen kommt es an!

Wenn Anleger sich auf ihre Intuition verlassen, dann treffen sie leider nicht immer die besten Entscheidungen. Fünf Jahre nach dem Scheitern des Neuen Marktes gelingt es so manchem Unternehmen schon wieder, Millionen einzusammeln, selbst wenn es weder Gewinn noch nennenswerte Umsätze vorweisen kann.

HB DÜSSELDORF. Es scheint, dass heiße Tipps im Internet lieber gelesen werden als ein paar einfache Zahlen. So kommt es, dass es etwa der Internethandelsplattform Intershop trotz sinkender Umsätze immer wieder gelingt, über Kapitalmaßnahmen frisches Geld in die Kassen zu spülen. Das im Freiverkehr gehandelte Autoleasing-Unternehmen Leasing 99 handelt zu einem Marktwert von 45 Mill. Euro, obwohl es mit seinen 460 abgeschlossenen Verträgen praktisch noch gar keinen Umsatz hat.

Die Risiken solcher Anlagen wären auch für weniger Geschulte leicht zu erkennen. Da bietet sich zunächst der simple Vergleich von Ausgaben und Einnahmen an. Wie im eigenen Privathaushalt müssen sich Kosten und Umsatz in ähnlicher Größenordnung bewegen, sonst ist das Geld der Anleger schnell verbrannt. Schön ist, wenn der Umsatz von Quartal zu Quartal zunimmt und nicht abnimmt, wie etwa auch beim Puppenhersteller Zapf Creation. Steigt der Umsatz, dann lohnt nicht nur einen Blick auf die Anstiegsrate, sondern auch auf die absolute Höhe. Sind die Erlöse noch sehr niedrig, dann macht eine Steigerung um 100 Prozent auch nicht sehr viel mehr daraus.

Stutzig machen sollte es, wenn der Gewinn deutlich schneller steigt, als der Umsatz. Dann besteht der Verdacht, dass Finanzchefs die Gewinne aus anderen Perioden vorziehen oder Kosten verschieben. Mehr Klarheit gibt dann der Cash-Flow, die Veränderung der Kassenbestände. So kündigte sich einer der größten Firmenzusammenbrüche der Geschichte, der Kollaps der US-Energiehändlers Enron, im Juni 2001 schon damit an, dass der Konzern einen Gewinn von 400 Millionen Dollar verzeichnete, gleichzeitig 527 Mill. Dollar Bares abgeflossen waren. Im Idealfall wachsen Umsatz, Gewinn und Cash Flow in stetem Tempo gleichläufig an. Wenn sich dazu noch die Zahl der Fußnoten in Grenzen hält, dann hat die Anlage schon ein paar wichtige Tests bestanden.

Profis, die sich in den Details phantasievoller Buchführung zurecht finden müssen, geben spezielle, unabhängige Researchfirmen noch weit mehr kritische Punkte an die Hand. Das US-amerikanische Center for Financial Research etwa listet branchentypische Warnzeichen auf. Da machen Banken unbemerkt Reserven locker, indem sie ihre Rückstellungen für faule Kredite verringern. Oder Einzelhändler setzen die Kosten künftiger Garantieleistungen niedriger an. Der US-Autoteilehändler Autozone etwa verwendete diesen Trick ab 2003. Und konnte so einen deutlich verringertes Gewinnwachstum bis 2005 verbergen.

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