Bulle und Bär
Auf Wiedersehen, Aktie

Die Unsicherheit unter den Börsenprofis ist mit Händen zu greifen. Verantwortliche großer Anlagegesellschaften wollen sich kaum zu den Börsenturbulenzen äußern, vor allem nicht zu den Engagements in problembehafteten Anleihen. Die Psychologie ist völlig im Eimer. Noch vor einigen Wochen gaben die Optimisten den Ton an. Jetzt sind manche professionelle Marktteilnehmer in eine Schockstarre verfallen.

FRANKFURT. Die entscheidende Frage lautet: Stecken wir in einer Börsenkorrektur oder stehen wir am Anfang einer Baisse und wirtschaftlich sogar möglicherweise am Beginn einer Rezession? Die Antwort weiß niemand. Sowohl Bullen als auch Bären können Argumente für ihre Einschätzung in die Waagschale werfen.

Die Bullen vertrauen darauf, dass die Notenbanken es mit Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen schon richten werden. Börsenkorrekturen sind aus ihrer Sicht nicht ungewöhnlich; rein technisch erscheinen die Märkte nach den teilweise panikartigen Verkäufen der vergangenen Woche kaum noch anfällig. Zudem ging es nach Börsenkorrekturen in früheren Jahren immer schnell wieder aufwärts.

Die Bären blicken besorgt nach Übersee. Dort bröckelt der Immobilienmarkt. Auslöser der aktuellen Turbulenzen waren die Sorgen über steigende Ausfallraten bei Hypothekenkrediten schlechter Schuldner - was sich zu einer Vertrauenskrise gegenüber allen verbrieften Forderungen und schließlich aller Arten risikobehafteter Investments ausweitete. Die schlechtesten Nachrichten bei diesen Problemhypotheken stehen allerdings erst ins Haus: In den kommenden Monaten werden immer mehr Amerikaner ihre Hypothekenkredite zu schlechteren Konditionen umschulden müssen - es drohen noch mehr Pleiten.

Bisher haben lediglich die Profi-Investoren Ohrfeigen bekommen. Vor allem sie sind es, die mit Spezialanleihen ein wenig mehr Rendite erzielen wollten. Hier sind die Privaten kaum engagiert, auch Aktienfonds haben sie im Jahresverlauf massiv verkauft. Dabei sind die Börsenturbulenzen im Bewusstsein der Privaten noch nicht einmal angekommen. Andere Themen dominieren die breite öffentliche Diskussion: Überschwemmungen, Entführungen, das politische Sommertheater und steigende Butterpreise. Nachrichten zu Zinsen, der IKB, WestLB oder SachsenLB und ihren Folgen gehen fast unter, werden von vielen kaum als Teil des eigenen Alltags wahr genommen.

Es ist anzunehmen, dass der Fondsverband Ende kommender Woche wieder miserable Absatzdaten für Aktienfonds veröffentlichen wird. Im Juni gaben die Anleger netto Anteile für drei Milliarden Euro zurück. Die Rückgaben im Juli dürften diese hohe Zahl noch übertreffen. Da spielt es keine Rolle, dass für die Altersvorsorge und langfristige Vermögensbildung über die kommenden Jahrzehnte genau das Gegenteil richtig wäre - allen aktuellen Unsicherheiten zum Trotz.

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