Bulle & Bär
Aufschwung der Metallpreise treibt bizarre Blüten

Der rasante Aufschwung der Metallpreise treibt bizarre Blüten. Rund um die Welt wird gestohlen, was das Zeug hält. Die Kriminellen erkennen, was Anleger schon seit langem wissen.

HB FRANKFURT. Auf einem Schrottplatz im deutschen Alsbach-Hähnlein machen sich Kriminelle mit fünf Tonnen Kupferkabel vom Acker. Im rheinhessischen Alzey erwischt die Polizei einen Autofahrer mit 13 gusseisernen Gullydeckeln im Kofferraum. Kupfer, Aluminium, Zink und andere Industriemetalle sind plötzlich Ziele von Gaunern und Hehlern.

In Amerika schlachten Gauner Telefonhäuschen aus und klauen Laternenpfähle. Auf einem großen belgischen Bahnhof sind fast alle 800 Karren für den Gepäcktransport verschwunden.

In wenigen Jahren haben sich die Preise für viele Industriemetalle verdreifacht. Sie notieren auf den höchsten Ständen seit Jahrzehnten. Ähnlich ist die Lage bei den Edelmetallen. Gold und Platin haben optisch wichtige Marken überwunden. Die Feinunze Gold (etwa 31 Gramm) kostet mehr als 500 Dollar, die Unze Platin mehr als 1 000 Dollar. Gestern wurden die Trends noch einmal eindrucksvoll bestätigt. Investoren fragen sich jetzt, ob die Hausse anhält oder die jüngsten Beschleunigungen der Preisauftriebe schon den Keim der Umkehr in sich tragen.

Vor allem Gold zieht das Interesse auf sich. Die Experten von JP Morgan beispielsweise sind positiv für das Metall. Ihre Kollegen von Goldman Sachs vertreten die gleiche Meinung, halten aber eine kurzfristige Korrektur für möglich. Vielen Analysten erscheint der Markt überhitzt und reif für einen Rückschlag – danach sollen die Preise weiter nach oben laufen. Wie weit, dazu kursieren schillernde Prognosen. Enthusiasten liebäugeln schon mit Marken von 600, 700 und 1 000 Dollar.

Traditionelle Analysten wollen sich auf solche gewagten Zahlenspiele nicht einlassen – obwohl manche von ihnen ihre liebe Mühe mit den aktuellen Preisbewegungen haben. Ihnen fehlen schlicht Erklärungen. Das eindruckvollste Beispiel bietet der Kupfermarkt. Händler diskutieren heftig über mögliche Manipulationen des wichtigen Nachfragers Chinas. Gleichzeitig klettert der Preis in immer höhere Sphären und pendelt jetzt an der Londoner Metallbörse um die Marke von 4 400 Dollar je Tonne.

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Schon seit Monaten starren die meinungsfreudigen Rohstoff-Analysten der ABN Amro Bank fast fassungslos auf das Geschehen. Sie erwarten einen Absturz – bislang vergeblich. Gestern bündelte das ABN-Team um Nick Moore seine Lagebeurteilung in zwei Worte: „Absurde Preise.“ Ganz nebenbei fühlen sie sich an eine alte Börsenweisheit erinnert. Sie lautet: Stelle dich niemals gegen den Trend.

Den Rat sollten auch die Diebe beherzigen. Über Finanzprodukte wissen sie leider wenig. Sonst wäre ihnen klar: Der Kauf von Metall und darauf basierenden Aktien oder Zertifikaten ist viel lukrativer als der Klau.

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