Bulle & Bär
Auftrieb für Airlines

Noch ziert sich der Lufthansa-Chef. Gebetsmühlenartig wiederholt Wolfgang Mayrhuber, die Braut sei zwar hübsch, aber schlicht zu teuer. Rund vier Milliarden Euro seien als Kaufpreis für den spanischen Konkurrenten Iberia deutlich zu viel.

FRANKFURT. Um die Bedeutung seiner Worte noch mal zu unterstreichen, wählte er sogar das Bild vom „Mühlstein“, den sich Lufthansa nicht um den Hals hängen dürfe. Lufthansa-Aktionäre sollten sich von diesen starken Worten nicht blenden lassen. Hier geht es um Preispoker, nicht um Dementis. Hinter den Kulissen wird mit Sicherheit schon kräftig verhandelt. Doch schrecken braucht das die Anleger nicht – trotz des durch Spekulation hochgetriebenen Kurses der Iberia-Aktie.

Denn zum einen würde Lufthansa ein solides Unternehmen kaufen und keinen Sanierungskandidaten. Seit 1994 hat Iberia durchgehend einen Gewinn im operativen Geschäft erzielt – in der Luftfahrtbranche alles andere als selbstverständlich. Selbst im Krisenjahr 2001, als viele Airlines am Rande des Bankrotts trudelten, schaffte es Iberia, schwarze Zahlen auszuweisen. Zum anderen dürften die Synergien relativ hoch sein. Das Streckennetz ergänzt sich hervorragend: Die Spanier sind stark im Südamerika-Geschäft. Dort hat Lufthansa ein Defizit – das sich noch verschärft hat, seit sie die brasilianische Varig als Allianz-Partner verloren hat. Und dass er einen Konkurrenten nicht nur übernehmen sondern auch erfolgreich integrieren kann, hat der Lufthansa-Chef beim Kauf des angeschlagenen Schweizer Unternehmens Swiss bewiesen.

Mayrhubers Vorgänger Jürgen Weber hatte Übernahmen gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Er bevorzugte lockere Kooperationen, war einer der Gründungsväter des Bündnisses Star Alliance. In einer staatlich so überregulierten Branche, so sein Credo, würde man sich mit einer finanziellen Beteiligung zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten erkaufen. Doch dies hat sich dramatisch geändert. Schon seit einiger Zeit dürfen Regierungen ihre unprofitablen Staatsairlines nicht mehr unbegrenzt alimentieren. Sollte aber nun das Open-Sky-Abkommen zwischen der EU und den USA wie erwartet zustande kommen, wäre das der Beginn einer Revolution: Dann wären Airlines richtige Unternehmen und nicht mehr Erfüllungsgehilfen zwischenstaatlicher Verträge.

Für die Airline-Aktien bringt dies neue Bewegung. In dem Maße wie der Staatseinfluss schwindet, werden die Papiere der Branche für einen breiteren Kreis von Anlegern interessant, was das Kurspotenzial erhöht. Und in dem Maße wie der Wettbewerb in der Branche wächst, verbessern sich die Geschäftsaussichten von konkurrenzfähigen Airlines wie der Lufthansa.

Angst bekommen sollten Lufthansa-Aktionäre jedoch, falls das Unternehmen auch auf eine Übernahme des maroden italienischen Staatscarriers Alitalia zusteuern sollte. Mit diesem Ballast an Bord sollten sie sich schleunigst daran erinnern, wo der Notausgang ist.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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