Bulle & Bär
Ausfall bei Mittelstandsanleihen keine Überraschung

Solarfirmen, die Mittelstandsanleihen begeben haben, fürchten sich vor einer möglichen Insolvenz. Allerdings kämen Ausfälle nicht sehr überraschend.
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FrankfurtDie Luft wird dünner für Solarunternehmen. In den vergangenen Wochen meldeten mit Solon und Solar Millennium gleich zwei Firmen Insolvenz an. Weitere könnten folgen. Auch die Solarfirmen, die Mittelstandsanleihen begeben haben, könnte es treffen. Das wäre nicht nur ärgerlich für die Investoren. Es könnt auch dazu führen, dass ein Ausfall das ganze Marktsegment, das noch in den Kinderschuhen steckt, zu Fall bringt. Doch so weit sollten Anleger es nicht kommen lassen.

Die wachsende Sorge der Investoren gegenüber der ganzen Branche der regenerativen Energien spiegelt sich in den Kursen der entsprechenden Anleihen wider. Seit Monaten notieren sie unter ihrem Nominalwert: Payom Solar liegt bei knapp 47 Prozent, Centrosolar bei gut 45, der Zulieferer Rena immerhin noch bei etwa 79 Prozent des Werts. Aber selbst eine der beiden Anleihen der Branchengröße SAG Solarstrom notiert bei nur 86 Prozent.

Das sind Signale, dass immer mehr Anleger die Bonds meiden, weil ihnen das Risiko zu hoch ist: Bei einem Ausfall können die Firmen schließlich die jährlichen Zinsen nicht mehr zahlen und im schlimmsten Fall die Anleihe am Ende der Laufzeit nicht tilgen.

Natürlich ist so ein Ausfall einer Anleihe das schlimmste Ereignis für die betroffenen Investoren. Doch dieses Risiko besteht immer für jeden Gläubiger. Denn eine Anleihe ist eben ein Kredit. Wird der Kreditnehmer insolvent, ist das Geld unter Umständen futsch. Genau für dieses Ausfallrisiko erhält der Gläubiger eine Vergütung in Form von Zinsen. Je höher das Risiko desto mehr Zins kann und muss er verlangen. Ist ihm der Zins nicht hoch genug, sollte er den Kredit verweigern, also die Anleihe nicht kaufen.

Niemand weiß, ob die Anleihen von Centrosolar & Co am Ende tatsächlich ausfallen. Vielleicht übertreiben die Investoren momentan mit ihrer Vorsicht. Früher oder später aber wird es zu einem Ausfall bei einer Mittelstandsanleihe kommen. Doch das sollte niemanden überraschen. Schließlich haben 14 der momentan 40 gelisteten Bonds von der Ratingagentur Creditreform nur die Note „BB“ erhalten. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren entspricht das einer Ausfallwahrscheinlichkeit von neun Prozent. Das heißt: Von den betroffenen 14 Anleihen wird schon statistisch gesehen mindestens eine ausfallen.

Aber solche Pleiten gehören zum Finanzmarkt dazu. Nur weil eine Mittelstandsanleihe ausfällt, heißt das nicht, dass alle anderen folgen werden. Schon gar nicht welche aus völlig anderen Branchen. Anleger sollten daher auf eine Enttäuschung gefasst sein und sie als das verstehen, was sie ist: Ein einziger Ausfall.

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