Bulle & Bär
Ausgereizte Metalle

Die Preise für die Industriemetalle haben inzwischen langjährige oder absolute Rekordstände erreicht. Die Luft für Haussisten, die auf weitere Preissteigerungen setzen, wird dünner.

LONDON. Der Preis für Kupfer, das meistgehandelte und derzeit volatilste Buntmetall, hat seit Jahresbeginn um über 70 Prozent zugelegt. Aluminium notiert auf dem höchsten Stand seit 18 Jahren, der Zinkpreis hat sich binnen Jahresfrist etwa verdoppelt.

Der ungestüme Preisanstieg hat bei Kupfer bereits seine ersten Opfer gefordert: Baissisten, die sich verkalkuliert haben, u.a. Chinas Büro für Ressource-Reserven und der Hedge-Fonds Ospraie. Sie mussten in letzter Zeit kräftig zukaufen, um ihre Verluste bei den Baissekontrakten zu begrenzen. Die Deckungskäufe hatten den Preisen noch zusätzlichen Auftrieb gegeben. Dieser Stützungsfaktor hat aber inzwischen an Kraft verloren.

Wer trotz der bereits hohen Preise nach wie vor bei den Metallen sein Glück versuchen will, wäre daher gut beraten, zunächst eine Preiskorrektur für ein Engagement abzuwarten. Bei Kupfer sind die Marktteilnehmer bereits nervös. Der Preis schwankte vergangene und Anfang dieser Woche um bis zu 300-400 Dollar pro Tonne.

Wer jetzt Gewinne mitnimmt oder eine kräftige Preiskorrektur nach unten erwartet, befindet sich in guter Gesellschaft. Der amerikanische Großanleger Warren Buffett befürchtet ein rüdes Erwachen an den Metallmärkten. So veranschlagen auch viele Analysten den Preis für Kupfer für 2007 bei nur noch gut 5 000 Dollar.

Bei den übrigen Metallen wird die „Verfallsrate“ bis 2007 wesentlich niedriger angesetzt. Aluminium und Zink bescheinigen Analysten noch bis auf weiteres Aufwärtspotenzial. Freilich wären auch hier Anleger gut beraten, eine Preiskorrektur nach unten abzuwarten, bevor sie zugreifen. Diese könnte eintreten, wenn der Markt auf erste Anzeichen einer Abkühlung der Weltwirtschaft oder eine Verschnaufpause der Wirtschaft Chinas reagiert.

Am besten fahren wahrscheinlich Anleger, die ihre Mittel für die nächsten fünf bis zehn Jahre binden können. Das Gros der Analysten geht nämlich, nicht zuletzt auch wegen der rapiden wirtschaftlichen Entwicklung Indiens, parallel zu der Chinas, von einer anhaltenden Knappheit bei den Metallen aus.

Die derzeitige akute Verknappung an Kupfer ist einer der Gründe dafür, dass der Preis – inflationsbereinigt – derzeit fast 80 Prozent seines bisherigen historischen Höchststands erreicht hat. An diesem Maßstab gemessen erscheint das rote Metall relativ ausgereizt. Der Aluminiumpreis hat dagegen nicht einmal die Hälfte seines bisherigen Höchststands erreicht, Zink und Zinn gerade 40 bzw. 25 Prozent.

Buffett richtet sein Auge denn auch bereits auf einen anderen Rohstoffbereich. Agrarprodukte wie Weizen, Mais und Sojabohnen, so meint er, seien noch weit von einer Preisblase entfernt.

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