Bulle & Bär
Aussitzen oder Durchlavieren gilt nicht mehr

In nur drei Monaten gilt es Bilanz zu ziehen darüber, was in sechs Wochen zerstört wurde. Für Fondsmanager, Vermögensverwalter und Anlageberater gibt es nun nur noch zwei Möglichkeiten: Schaden reduzieren oder kämpfen.
  • 0

FrankfurtTage wie der gestrige „Labor Day“ in den USA oder das deutsche Gegenstück, der Tag der Arbeit am 1. Mai, haben kurioserweise die Angewohnheit, dass an ihnen just nicht gearbeitet wird. Dafür danach – zumindest in den USA – wieder umso mehr. Dort sind die Ferien ab heute offiziell zu Ende und auch an der Wall Street sind die Büros wieder gut gefüllt. Allerdings wird nicht viel Zeit bleiben, mit den Kollegen über die schönsten Ferienerlebnisse zu plaudern. Die Bilanz in den Depots in den vergangenen sechs Wochen ist ein Fiasko.

Ausgehend vom heutigen 6. September bleiben exakt noch drei Monate bis zum Nikolaustag. Danach ist meist nicht mehr viel los an den Märkten, wobei wir uns die Uraltphrase von den geschlossenen Büchern, die jetzt eigentlich folgen müsste, an dieser Stelle schenken wollen. In drei Monaten muss jetzt also gerichtet werden, was in sechs Wochen zerstört wurde.

Da ist einiges an Anstrengung nötig, will man das Jahr nicht zum ersten Mal seit 2008 mit Verlusten beschließen. 23 Prozent liegt der Dax immerhin seit Jahresanfang im Minus und 14 Prozent sind es bei Tokios Nikkei. Dagegen wirken die drei Prozent, die Amerikas Leitindex Dow Jones Industrial seit Anfang Januar in den Miesen liegt, fast wie ein Anker der Stabilität.

Ab heute gibt es für Fondsmanager, Vermögensverwalter und Anlageberater aber nur noch zwei Möglichkeiten: entweder den Schaden reduzieren, also ganz raus aus allen spekulativen Anlageklassen und rein in Tagesgeld, Gold und Staatsanleihen. Oder kämpfen. Das heißt, jetzt mit gezieltem Stockpicking auf die Aktien setzen, die zu Unrecht in den Sumpf gezogen wurden, die kaum mehr wert sind an der Börse als das, was sie an Bargeld in der Kasse haben und die wohl zwangsläufig wieder steigen werden, wenn die Wetterlage um Staatsschulden und revidierte Unternehmensgewinne aufklart.

Abwarten, Aussitzen oder Durchlavieren gilt jetzt nicht mehr. Das wissen besonders diejenigen, die ab heute wieder im Büro sind; die im Urlaub stets mit einem Auge auf die digitalen kleinen Helfer geblickt und sich im Hinterkopf schon eine Strategie zurechtgelegt haben. Sie werden heute nach den ersten nervenden Strategiekonferenzen mit den Kollegen sicherlich nicht den erstbesten bequemen Weg gehen. Der würde vor den Kunden sogleich wie eine Kapitulation vor den Märkten aussehen.

Die meisten werden also kämpfen. Sie werden die Dinge gründlich analysieren und dabei wohl auch oftmals mehr ins Risiko gehen, als sie das in diesem Jahr eh schon getan haben. Die, die ab heute wieder da sind, könnten dann die Kurse treiben. Denn sie sind selbst Getriebene einer Entwicklung, die vor sechs Wochen in dieser Form noch nicht absehbar war.


Kommentare zu " Bulle & Bär: Aussitzen oder Durchlavieren gilt nicht mehr"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%