Bulle und Bär: AVW-„Genüsse“ – immer ein Genuss?

Bulle und Bär
AVW-„Genüsse“ – immer ein Genuss?

Was waren doch Genussscheine bis vor kurzem bei den Anlegern beliebt. Ihr Mix aus Aktie und Anleihe verlockte viele Investoren zu der irrigen Annahme: Geht es dem Unternehmen schlecht, bleibt zumindest die Anleiherendite – geht es ihm gut, winkt wie bei einer Aktie auch noch ein ordentlicher Kursaufschlag. Spätestens nach dem Debakel um den Genussschein der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR), der drei Viertel seines Rückzahlungsanspruchs verloren hat, sind viele Anleger erwacht. Deshalb ganz kurz: Genussscheine bergen auch unternehmerisches Risiko, bei einem Bilanzverlust kann hie und da auch der Rückzahlungsbetrag gekürzt werden, was von den jeweiligen Genussscheinbedingungen abhängt.

Warum diese Lehrstunde? Weil mit der österreichischen AVW derzeit ein sehr erfolgreicher Anbieter eines Genussscheins nach Deutschland drängt. Dessen „AVW Index“ genannter Substanzgenussschein hat seit seiner Auflegung im Jahr 1995 eine durchschnittliche Entwicklung von 13,5 Prozent pro Jahr geschafft. Beinahe noch erstaunlicher: Seit elf Jahren gab es keinen einzigen Monat mit einer negativen Performance – selbst in der Phase rasant fallender Kurse von 2001 bis 2003 konnte sich die Beteiligungsgesellschaft vom Wörthersee dem Trend entziehen.

Nun will AVW – die Abkürzung steht für den Gründer Wolfgang Auer von Welsbach – sogar einen deutschen Finanzdienstleister übernehmen, um den AVW Index künftig flächendeckend hier zu Lande anbieten zu können. Schließlich sei die Nachfrage in Deutschland hoch, heißt es.

Viele Anleger, die nicht engagiert sind, stehen vor der entscheidenden Frage: Ist diese Kursentwicklung auch in Zukunft möglich? Tendenz: Es wird schwieriger. Denn der Substanz-Genussschein – Substanz für den Anspruch auf Gewinn, Vermögen und Liquidationserlös bei AVW – ist von der Vermögensentwicklung in der AVW-Gruppe abhängig. Die ist derzeit an 26 Gesellschaften beteiligt, die meisten davon in Deutschland und Österreich. Blue Chips wie die Allianz zählen hierzu, meist sind es aber kleine Gesellschaften, an denen die AVW Minderheitsbeteiligungen hält. Kriterium ist stets deren Wachstumsphantasie oder eine überdurchschnittlich hohe Dividendenausschüttung.

Zweifellos hat AVW über mehr als ein Jahrzehnt hinweg ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Beteiligungen gehabt. Das wird in Zeiten von nachlassendem Gewinnwachstum aber zunehmend schwieriger. Und überdurchschnittliche Ausschüttungen sind nicht mehr en vogue, wollen viele Unternehmen doch wieder mehr in Wachstum investieren. Fazit: Die kleine AVW wird sich mit ihrem Genussschein in Deutschland etablieren, getrieben durch den Erfolg der Vergangenheit. Die Zukunft wird zwar schwerer, ein Debakel wie bei AHBR dürfte Anlegern aber erspart bleiben.

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