Bulle & Bär
Axa hat zu viel Geld

Die Meldungen sind immer die gleichen: Sobald ein Versicherer irgendwo auf der Welt zum Verkauf steht, wird die französische Axa als möglicher Käufer genannt. Die prall gefüllte Kasse und der erklärte Expansionswille des Versicherungsriesen machen den Konzern ein ums andere Mal zum Gegenstand von Spekulationen.

PARIS. Bei der Winterthur, der Versicherungstochter der Schweizer Großbank Credit Suisse ist das nicht anders. Analysten sprechen der Winterthur einen Wert von rund sieben Mrd. Euro zu. Das kann Axa bezahlen. Aber wäre solch eine Akquisition auch sinnvoll?

Hier sind Zweifel angebracht. Eine Vollübernahme der Winterthur brächte die Axa strategisch nicht entscheidend weiter. Zwei Varianten wären aus Sicht der Franzosen vorzuziehen: Axa kauft nur Teile der Winterthur-Gruppe, etwa das schnell wachsende Geschäft in Spanien, Osteuropa und Asien. Oder Axa-Chef Henri de Castries kann die Schweizer mächtig im Preis drücken.

Sollte der französische Erzrivale der Allianz die Winterthur dennoch vollständig übernehmen, würde das der Börse übel aufstoßen – vor allem dann, wenn die Axa einen Preisaufschlag auf den Buchwert zahlt. Denn der zum Verkauf stehende Versicherer macht über die Hälfte des Geschäfts in der Schweiz (37 Prozent) und in Deutschland (20 Prozent). Bei den Produktlinien dominiert das Lebensversicherungsgeschäft mit 62 Prozent Anteil.

Kurz gefasst: Mit Winterthur würde sich Axa vor allem im Lebensversicherungsgeschäft in Deutschland und der Schweiz verstärken. Doch in beiden Märkten wird dieser Geschäftszweig von den klassischen, kapitalintensiven Policen mit Auszahlungsgarantien dominiert, eine Versicherungsart, über die de Castries wegen der geringen Renditechancen immer wieder herzieht. Er setzt lieber auf fondsgebundene Produkte, bei denen der Anleger das Kapitalmarktrisiko trägt.

Interessant wäre für die Axa hingegen der Kundenstamm der deutschen DBV Winterthur. Sie ist vor allem bei Beamten und im öffentlichen Dienst gut verwurzelt, einer Kundengruppe, die als risikoarm gilt und der eine gute Zahlungsmoral nachgesagt wird. Ob aber die risikoscheuen Beamten für Axas Kapitalmarktpolicen zu begeistern sein werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Zuversichtlich dürfte die Axa-Aktionäre die Bilanz von de Castries stimmen. Er ist zu Recht stolz darauf, dass er bislang noch nie zu viel für eine Übernahme bezahlt hat. Und auch bei Winterthur ist er in einer komfortablen Lage: De Castries kann kaufen, muss aber nicht. Für den Verkäufer Credit Suisse sieht es da schon schwieriger aus: Angesichts der aktuellen Turbulenzen an den Märkten dürfte ein Börsengang der Winterthur extrem schwierig werden. Damit hat de Castries gute Karten, den Preis zu drücken – zum Wohle der Aktionäre. Und falls dies nicht gelingt, dürfte es schon bald neue Gerüchte rund um die Axa geben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%