Bulle & Bär
Baisse bringt Betrüger in Bedrängnis

In guten Zeiten machen Betrüger fette Beute. Wenn in des Anlegers Augen die Dollarzeichen funkeln und die Risikofreude allzu groß wird, reiben sich Finanzfilous die Hände. Ein Gutes hat die Finanzkrise also doch: Gauner werden schneller als solche entlarvt.

FRANKFURT. Dieser Mann ist gar kein Rockefeller: Christian G. lebte fast drei Jahrzehnte unter verschiedenen Namen, brachte es bis zum Millionär. Als Clark Rockefeller gaukelte er in Amerika eine Verwandschaft mit dem legendären Ölmagnaten vor, zählte Senatoren und Schauspieler zu seinen Freunden. Der Schwindel ist aufgeflogen.

Seit Wochenbeginn steht der mittellose Student aus Bayern vor Gericht - allerdings wegen Entführung seiner eigenen Tochter. Für den Staatsanwalt ist er der "unverschämteste, größte Betrüger unserer Zeit". Der 48-jährige Lebemann war sogar Fondsmanager, obwohl er keine Ahnung vom Geschäft hatte. Er heiratete eine Investmentbankerin, die seinen elitären Lebenswandel finanzierte.

Der Titel des größten Betrügers ist allerdings vergeben. Er gebührt Bernard Madoff. Als Vermögensverwalter betrog der populäre Mann seine Anleger über Jahre und häufte einen Schaden von 50 Mrd. Dollar auf. In einem gigantischen Schneeballsystem zahlte er alte Kunden mit dem Geld von Neueinsteigern aus. Seit Monaten kommen immer neue Schneeball-Verdächtige ans Licht: Allen Stanford, acht Mrd. Dollar, viele kleine Mini-Madoffs wie Nicholas Cosmo, 380 Mio. Dollar oder James Ossie, 25 Mio. Dollar.

In der großen Wertpapierhausse ab Anfang der achtziger Jahre haben sich die Anleger immer mehr an hohe Renditen gewöhnt, sind immer gutgläubiger und risikofreudiger geworden, teilweise sogar gierig. Betrüger machen daher in guten Zeiten fette Beute. Mit immer neuen Mitspielern können sie ihre Schneeballsysteme umso länger am Leben erhalten, je länger die Hausse läuft. Jetzt bringt die Finanzkrise die Schneebälle zum Schmelzen, denn die Mitspieler verlangen ihr Geld zurück.

Eine Enthüllungswelle in diesen Monaten ist daher kein Zufall. Sie bestätigt das Ende einer epochalen Hausse. Anleger lernen, dass sich Vorsicht lohnt. Skeptische Zeitgenossen hätten wohl auch Schwindler G. früher entlarvt - dessen Karriere übrigens genau zu Beginn des Aufschwungs startete. Aus reiner Börsensicht sind die Ertragsperspektiven für breite und "ehrliche" Wertpapierindizes geschrumpft: Zweistellige Jahresraten dürften die Ausnahme bleiben.

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