Bulle & Bär
Bankaktien: Ein Quantum Hoffnung

Die Notierungen der großen Banken haben in den vergangenen Monaten einen Sturzflug vollzogen, wie man ihn zuletzt nur vom Niedergang kleiner New-Economy-Firmen nach dem Platzen der Dot.Com-Blase kannte. Aktien der Deutschen Bank kosteten zum Beispiel Anfang des Jahres noch knapp 90 Euro, am Dienstag waren sie etwas mehr als 22 Euro wert.

DÜSSELDORF. Ähnlich dramatisch der Einbruch bei der Commerzbank. Deren Anteile notierten vor Jahresfrist bei rund 25 Euro, vor gut einem Monat waren es zwölf Euro, und gestern lag der Kurs auf einem neuen Mehrjahrestief bei etwas mehr als sechs Euro – Tendenz weiter fallend. Damit ist die einfache Aktienmehrheit bei den Frankfurtern für weniger als drei Milliarden Euro zu haben – ein Schnäppchenpreis, mag man meinen. Doch selbst auf diesem niedrigen Niveau halten sich Analysten mit Kaufempfehlungen zurück, von finanzkräftigen Übernahmeinteressenten ganz zu schweigen, die derzeit vielfach mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Von dieser Seite ist also kaum Unterstützung für die schwächelnden Kurse zu erwarten.

So fragt sich, wann die Investoren ihr Spekulantenherz entdecken und bei Bankpapieren einsteigen – und zu welchem Preis sie das tun? Das eigentliche Problem dabei ist die unsichere Lage auf der Aktivseite der Geldhäuser. Kaum jemand kann im Moment einigermaßen realistisch einschätzen, wie werthaltig die Assets der Geldhäuser wirklich sind. Klar ist nur, dass sich mit der Finanzkrise ein Großteil der in den Bilanzen aufgelisteten Vermögenswerten in Wohlgefallen aufgelöst hat, und angesichts der schwachen Konjunkturaussichten drohen den Banken weitere Abschreibungen vor allem bei Unternehmenskrediten und damit neuer Kapitalbedarf. Ein Teufelskreis.

Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die aktuelle Bilanzpraxis auf Dauer erhebliches Erholungspotenzial bietet – für die Bank und nicht zuletzt für die Anleger. Denn die Wertpapiere im Bestand müssen die Geldhäuser stets auf die niedrigeren Marktkurse abschreiben. Fatal, wenn die Märkte so wie derzeit zum Teil illiquide sind und keine Kurse zustande kommen. Die entscheidende Frage ist dann: Wie viele Schuldtitel aus dem Hypotheken- und anderen Kreditbereichen, die jetzt nahezu ohne Wert in der Bilanz stehen, werden bei Fälligkeit in ein paar Jahren tatsächlich nicht zurückgezahlt? Nicht zuletzt nehmen die aktuellen Kurse viel von dieser Entwicklung vorweg. Mal zur Veranschaulichung: Der Buchwert der Commerzbank liegt derzeit bei rund 22 Euro, der der Deutschen Bank bei knapp 62 Euro. Sicher, diese Überlegung hilft den Instituten nicht, über die aktuellen Finanznöte hinwegzukommen. Aber genau dafür ist ja der Rettungsschirm gedacht, den viele Regierungen mittlerweile aufgespannt haben. Eine Pleite ist damit bei den Instituten, die dort Unterschlupf suchen, zunächst ausgeschlossen. Das ist für wagemutige und ebenso langfristig denkende Anleger nicht die schlechteste Ausgangsposition.

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