Bulle & Bär
Bankaktien: Ein Strohfeuer, mehr nicht

Dass die Börse gerne übertreibt, ist nichts Neues. In den vergangenen Handelstagen hat sie das einmal mehr eindrucksvoll bewiesen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte mehr als 500 Punkte auf über 6 500 Zähler. Ganz oben auf der Einkaufsliste der Anleger standen dabei Finanzwerte.

FRANKFURT. Die Papiere etwa der Deutschen Bank gewannen auf Wochensicht über 13 Prozent; Commerzbank-Aktien legten um rund zehn Prozent zu, und auch die Aktien der Allianz waren gefragt – gut neun Prozent ging es mit dem Kurs des Münchener Versicherungskonzerns nach oben.

Die großen US-Banken JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup hatten die Mini-Rally mit ihren vergleichsweise guten Quartalszahlen ausgelöst. Zwar musste die Citigroup einen Quartalsverlust von 2,5 Milliarden US-Dollar verbuchen – das ist mehr als etwa der im MDax notierte Kosmetikkonzern Douglas an der Börse wert ist. Die Branche hatte allerdings ein noch miserableres Ergebnis erwartet. Nicht ganz so schlechte Nachrichten sind also gute Nachrichten – verrückt!

Doch was ist der rasante Aufschwung bei Bankaktien wert? Die Antwort lautet: nicht viel! Es wäre töricht zu glauben, die Finanzkrise sei ausgestanden. Die Banken werden noch lange mit ihren Auswirkungen zu kämpfen haben. Mag sein, dass ein Großteil der Altlasten in den Bilanzen mittlerweile abgeschrieben ist. Kurzfristig dürften sich die Aktienkurse daher weiter erholen. Aber das ist ein Strohfeuer, mehr nicht. Auf längere Sicht werden es die Banken schwer haben, ähnlich profitabel zu wirtschaften, wie sie das in der Zeit vor der Krise taten. Viele Geschäfte, mit denen sie Milliarden verdienten, finden praktisch nicht mehr statt. Der einst so lukrative Immobilienmarkt in den USA ist kollabiert, die Refinanzierung der Banken deutlich schwieriger geworden.

Und da ist noch ein weiterer, nicht weniger wichtiger Aspekt: Die Finanzkrise hat weltweit nicht nur mehrere Billionen Dollar vernichtet, sondern auch Vertrauen. An der Börse ist Vertrauen ein kostbares Gut. Meist braucht es nur einen einzigen Moment, ein Wort – und schon ist es verloren.

Bei Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke war es ein Satz. Man habe mit der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt nichts zu schaffen, hatte er noch Anfang des Jahres sinngemäß behauptet. Wenige Wochen später schrieb der Münchener Immobilienfinanzierer 300 Millionen Euro ab. Die Anleger reagierten panisch, der Aktienkurs rutschte innerhalb weniger Tage von 35 Euro auf 13 Euro ab. Erholt haben sich die Papiere seither nicht; gestern notierte die Aktie bei rund 17 Euro. Der Einstieg von JC Flowers im Frühjahr trieb den Kurs nur kurzfristig wieder über die 20-Euro-Marke.

Aber nicht nur bei den Anlegern ist Vertrauen verloren gegangen, sondern auch zwischen den Banken. Weil sich lange Zeit niemand in die Karten schauen ließ, ist das Misstrauen untereinander groß. Es wieder zu gewinnen, dauert lange – meist Jahre. Manchmal kehrt das Vertrauen nie zurück.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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