Bulle & Bär
Banken auf Konfrontationskurs

Europas Finanzmärkte sind elektrisiert, die spanische Börse besonders. Die Unternehmen haben nach zehn Jahren starken Wirtschaftsbooms noch vollere Kassen als viele ihrer Wettbewerber, zudem beweisen sie Nationalstolz und verteidigen sich vor möglichen feindlichen Übergriffen.

MADRID. Dass vor einer Woche die Rekordmarke des Ibex-35 durchstoßen wurde und der Index jetzt bereits über 13 200 Punkte notiert, ist aber nicht nur den Bau- und Energieaktien zu verdanken, deren Unternehmen derzeit im Fusionsfieber sind, sondern auch den spanischen Banken.

Die Institute haben in den vergangenen Jahren enorm von dem Immobilienboom im Land sowie von der guten wirtschaftlichen Entwicklung in Lateinamerika profitiert. Da sie außerdem fast alle industriellen Beteiligungen verkauft haben, sind die Kriegskassen der Banken bis oben voll. Zwar kommen schon heute auf 44 Millionen Spanier gerade mal 100 Finanzinstitute. Aber bei den kleineren Banken und Sparkassen können noch Synergien ausgeschöpft werden.

Den Ton angeben könnten dabei Banesto oder Banco Popular. Ihre Aktien, wie auch die der großen Banken Santander und BBVA, die auf starkem Expansionskurs im Ausland sind, bewegten sich daher seit Wochen stark nach oben – auch weil sich das Gerücht hartnäckig hält, dass die Santander den kleineren Konkurrenten BBVA übernehmen will.

Allerdings besteht die Gefahr, dass die Phantasie bald nachlässt. Denn dieses Szenario ist absurd: Zusammen halten Santander und BBVA rund 40 Prozent des spanischen Finanzmarktes. Die nationale Wettbewerbsbehörde dürfte einer Fusion der beiden deswegen niemals zustimmen.

Gestern hat auch Santander-Präsident Emilio Botín die Euphorie erstmals gebremst: „Wir werden zur Zeit weder im In-, noch im Ausland einen Wettbewerber kaufen, sagte er. Sein Kontrahent bei BBVA, Präsident Francisco González, hält die Option Santander ohnehin für absurd. Zumindest bestätigt er aber, dass er in den vergangenen Monaten Angebote von anderen Wettbewerbern bekommen hat und hält damit die Phantasie im Aktienkurs. Allerdings ist der Mann aus Galizien viel zu machtgierig, als dass er sich die rentabelste Bank der Welt – BBVA kommt auf eine Eigenkapitalrendite von 35 Prozent und ein Kostenertragsverhältnis von 43 Prozent – aus den Händen reißen lassen würde.

Den neuen Stellenwert, den die Aktien seines Hauses und anderer spanischer Banken nach den durchwachsenen Jahren Anfang des Jahrtausends derzeit haben, genießt González trotzdem. Der Kurs der BBVA-Aktie ging in diesem Jahr um 25 Prozent in die Höhe, bei Konkurrenten wie Santander oder Banesto fällt die Börsenbilanz ähnlich aus. Und selbst wenn sich die Übernahmephantasie abkühlen sollte, muss das für die Kursrally nicht gelten: Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 10 und 15 sind die spanischen Bankaktien immer noch recht günstig bewertet.

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