Bulle & Bär: Baumwollpreise auf 30-Jahres-Hoch

Bulle & Bär
Baumwollpreise auf 30-Jahres-Hoch

Missernten, Flutkatastrophe und steigende Nachfrage lassen die Preise für Baumwolle rasant steigen. Davon profitieren Anbieter anderer Fasern. Textilhändler wie etwa H&M setzen heute schon vielfach Viskose ein.
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WIEN. Glaubt man den Vorhersagen der größten Pessimisten, dann wird uns eine kärgliche Zukunft bevorstehen. Die Rohstoffe gehen zu Ende, edle Metalle werden bald fehlen und allen voran das Öl. Und wenn es ganz schlimm kommt, werden wir demnächst auch noch frieren müssen, weil wir nicht mehr genug zum Anziehen haben werden.

Der Grund: Seit einigen Wochen geht die Nachricht um den Globus, dass plötzlich auch die Baumwolle ein ziemlich knappes Gut geworden ist. Nimmt man allein die Preise, dann scheint tatsächlich etwas mit der Baumwolle passiert zu sein. Aktuell hat der für die Bekleidungsindustrie extrem wichtige Rohstoff ein 30-Jahres-Preishoch erreicht. Auslöser waren Missernten in einigen wichtigen Anbauländern und auch die verheerende Flutkatastrophe in Pakistan.

Und dann gibt es noch strukturelle Veränderungen. Die Menschen in den aufstrebenden Ländern in Asien fragen mehr nach. Das treibt die Preise weiter nach oben. Zudem fehlt Ackerland, weil große Flächen für die Produktion von Treibstoff (Äthanol) aus Zuckerrohr gebraucht werden.

Große Textilanbieter wie das Versandhaus Otto oder der schwedische H&M-Konzern stimmen ihre Kunden schon auf satte Preiserhöhungen ein.

Investoren setzen auf Viskose

Auch wenn die Entwicklung der Baumwollpreise zuletzt beeindruckend war – Investoren sollten auch auf mögliche Alternativen schauen. Natürlich ist die Baumwolle noch der dominierende Rohstoff bei Textilien. Die Betonung liegt aber auf „noch“. Denn es ginge genauso gut, sich in der Zukunft viel häufiger mit Holz einzukleiden.

Ein T-Shirt aus Holz? Es klingt befremdlich, ist aber eine völlig realistische Perspektive. Fachleute sprechen von Viskose-Fasern. Sie werden vor allem aus Buchen-Holz gewonnen. Das wichtige Zwischenprodukt ist der Zellstoff. H&M etwa setzt schon heute die Viskose-Fasern ein. In Großbritannien schätzt der Kaufhaus-Riese Marks & Spencer die hölzernen Textil-Produkte.

Viskose-Fasern können Baumwolle ersetzen, die extremen Preissteigerungen müssen also nicht von Dauer sein. Und es gibt Produzenten textiler Fasern, die auf den Rohstoff Holz setzen: Der weltweit größte Hersteller von Viskose für die Bekleidungsbranche ist Lenzing aus Österreich. Das Unternehmen kommt auf einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro. Lenzing investiert kräftig und nutzt den Preisanstieg bei Baumwolle für sich aus. Findige Investoren haben die Vorzüge der Viskose bereits für sich entdeckt: Binnen Jahresfrist hat sich der Preis der Lenzing-Aktie verdoppelt. Es muss sich also niemand Sorgen machen, es gäbe künftig nicht mehr genug zum Anziehen.

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