Bulle & Bär
Bausparen: Kollekte für das Kollektiv

Als Häuslebauer hört man diese Wort gern: Das Bausparsystem bräche selbst dann nicht zusammen, wenn keine Bausparverträge mehr abgeschlossen würden. Kein Sparer verlöre Geld. Bausparen ist sicher, aber lohnt es sich auch? Daran scheiden sich die Geister.

DÜSSELDORF. Das hört sich doch irgendwie bekannt an: Ein Sparer zahlt in einen großen Topf Geld ein - in der Hoffnung, selbst einmal viel Geld aus diesem Topf zu erhalten. Aber vor ihm sind noch viele Gleichgesinnte an der Reihe, und nur wenn sich ständig neue Einzahler finden, funktioniert das Modell.

Aha, ein Schneeballsystem, das irgendwann alle Ersparnisse lawinenartig vernichtet? Nein, es handelt sich um das urdeutsche Bausparsystem. Und nein, beides lässt sich überhaupt nicht vergleichen - das wäre ja geradezu maliziös. Um es klar zu sagen: Das Bausparsystem bräche selbst dann nicht zusammen, wenn das Unvorstellbare passierte und keine Bausparverträge mehr abgeschlossen würden. Kein Sparer verlöre Geld. Bausparen ist sicher, aber ist es auch lukrativ? Da scheiden sich die Geister. Die Planungssicherheit niedriger Darlehenszinsen in sieben, acht Jahren erkauft sich der Sparer mit kümmerlichen Zinsen in der Sparphase und später hohen Tilgungsraten.

Und dann wären da noch die Gebühren, über die Verbraucherschützer und Bausparkassen derzeit vor Gericht streiten und die Sache in Karlsruhe ausfechten wollen. Die Branche hat gerade die erste Runde gewonnen, in der es um die Abschlussgebühr geht, sprich die Vertriebsprovision. Das Gericht folgte der Argumentation der beklagten Bausparkasse, dass die Neukundenakquise unerlässlich und die Provision gleichsam das Eintrittsgeld für den Bausparclub sei.

Dabei ist es gar nicht nötig, die Provision derart zu verbrämen. Schließlich wird sie offen ausgewiesen, wenn auch im Beratungsgespräch nicht offensiv erwähnt - und ist im Vergleich zu Fonds oder Versicherungen moderat. Und letztlich hätten die Kunden auch nicht viel davon, wenn die Gebühr gekippt würde. Denn dann schlügen die Bausparkassen die Vertriebskosten auf die Zinsmarge. Dies hat beispielsweise der Marktführer Schwäbisch Hall bei der Streichung der Darlehensgebühr vorgemacht. Fiele also die Abschlussgebühr weg, sähen die Zinsen, mit denen die Bausparkassen werben, im Vergleich zu den Bankangeboten wenig attraktiv aus. Und genau davor fürchtet sich die Branche - nicht davor, dass Deutschland die Bausparer ausgehen.

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