Bulle & Bär
Bei der NYSE gilt es zu warten

Achten Sie auf die Hedge-Fonds! Vor Jahren erwarben TCI, Atticus und Konsorten Aktien der Deutschen Börse AG und schauten zu, wie deren Wert erst langsam und zuletzt immer schneller stieg. Ob die smarten Spekulanten sich nun auch Aktien der NYSE Group kaufen, die erstmals in dieser Woche gehandelt wurden?

Für ein solches Investment spricht, dass der frisch fusionierte Konzern den Handel mit den weltgrößten Unternehmen kontrolliert. Der Wert aller an der Wall Street notierten Firmen liegt mit 21 Billionen Dollar höher als die Kapitalisierung der Märkte in Tokio, Frankfurt und London zusammen.

Doch ein gewichtiges Argument spricht gegen die neuen NYSE-Aktien: der Preis. Die Titel kosteten am Donnerstag das 45-fache des für 2007 erwarteten Gewinns, den Börsenchef John Thain in einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC im November auf 293,6 Mill. Dollar schätzte. Bezogen auf den Gewinn des Finanzkonzerns im vergangenen Jahr von 57,1 Mill. Dollar zahlen Anleger sogar das 233-fache.

Solche Kurs-Gewinn-Verhältnisse erinnern an die Internet-Spekulationsblase, die vor sechs Jahren mit einem lauten Knall platzte. Zugegeben, der Gewinn des vergangenen Jahres stellt keinen sinnvollen Vergleich dar, weil die New York Stock Exchange bislang als Mitgliederverein nicht auf hohe Gewinne aus war. Außerdem belasteten die Kosten der Archipelago-Übernahme da Ergebnis.

Trotzdem, das Kurspotenzial des US-Börsenbetreibers erscheint angesichts der hohen Bewertung begrenzt. Die Aktien anderer Börsen sind zwar auch nicht gerade billig, aber die NYSE Group übertrifft alle. So kostet die US-Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) derzeit das 38-fache des 2006-Gewinns. Die Deutsche Börse AG wirkt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 für das laufende Jahr geradezu bezahlbar. Doch selbst dieser Wert liegen weit über dem Durchschnitt des Gesamtmarktes.

Dass Börsenaktien mehr kosten als andere Dividendentitel, schreckt die Hedge-Fonds im Fall der Deutschen Börse nicht ab. Denn anders als die meisten Branchen wächst der Wertpapierhandel schnell und stetig. Deshalb, so das Kalkül, werden steigende Gewinne der Börsen in wenigen Jahren den heute hohen Preis rechtfertigen. Die Unternehmen „wachsen in ihre Bewertung hinein“.

Warum aber sollte die NYSE Group eine höhere Bewertung verdienen als ihre Konkurrenten? Sicher, Name und Adresse machen mehr her als bei der Konkurrenz. Doch ob NYSE-Chef Thain aus dem Prestigevorteil auch die nötigen höheren Wachstumsraten generiert, um seinen Aktienkurs zu rechtfertigen, muss er erst noch beweisen. Mit dem Kauf von Archipelago hat Thain allerdings einen Geniestreich geführt und die altmodische NYSE ins moderne Zeitalter katapultiert.

Vorsichtige Anleger sollten jedoch erstmal abwarten und schauen, was die Hedge-Fonds machen. Steigen diese ein, wäre das ein gutes Zeichen.

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