Bulle & Bär
Bei kleinen Unternehmen absichern

Wer auf hohe Zinsen von Kleinstanleihen abfährt, sollte sich gegen Stürze polstern. Das gilt vor allem bei Mittelständlern: Denn die haben häufig nicht die besten Bonitätsnoten.
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FRANKFURT. Eine Anleihe, die jedes Jahr 7,25 Prozent Zinsen abwirft und in die man bereits ab 1 000 Euro investieren kann? Bei den Magerzinsen auf Tagesgeld oder Staatsanleihen, schien die neue fünfjährige Schuldverschreibung des Automobilzulieferers Dürr ein echtes Schmankerl für Privatanleger zu sein. Und so war die Anleihe, die im neuen Segment Bond-M der Stuttgarter Börse emittiert wurde, binnen weniger Stunden dreifach überzeichnet. Vielleicht haben sich die Privatanleger trotzdem mit einem zu niedrigen Zins abspeisen lassen. Die jüngste Dürr-Anleihe mit Laufzeit bis 2011, seinerzeit noch bei institutionellen Anlegern platziert wurde, bot stolze 9,75 Prozent.

Seit Anfang September können Mittelständler, die von ihrer Bank keinen Kredit bekommen oder wollen, über Bond-M Geld am Kapitalmarkt aufnehmen, indem sie selbst Schulverschreibungen ausgeben. Das ist deutlich billiger als über eine Investmentbank. Die Unternehmen sparen Gebühren und können womöglich wie Dürr einen niedrigeren Zins durchsetzen.

Denn Investmentbanken prüfen vorab Geschäftsmodell und Bonität eines Emittenten, testen das Interesse von Investoren, vergleichen mit anderen Anleihen an und ermitteln dann den Zins. Schließlich platzieren sie die Anteile bei institutionellen Investoren und kassieren dafür Gebühren. Kleinanleger kommen erst über den Handel an der Börse oder über den Kauf bei Banken zum Zuge. Bis dahin sind begehrte Anleihen meist schon ein wenig teurer als bei der Platzierung.

Im Zweifelsfall schlecht verkäuflich

Die Dürr-Anleihe hatte nur ein Volumen von 150 Mio Euro. Noch kleiner waren die zuvor im Bond-M platzierten Anleihen von Windreich, einem Entwickler von Windkraftanlagen (50 Mio. Euro), und KTG Agrar, einem Landwirtschaftskonzern, der 30 000 Hektar Land bearbeitet (25 Mio. Euro). Gerade hat der Müsli- und Marmeladenhersteller Schneekoppe angekündigt, ebenfalls einen Anleihe in Eigenemission zu begeben - über zehn Mio. Euro, gelistet in Düsseldorf.

Das geringe Volumen begünstigt starke Kursschwankungen und birgt die Gefahr, dass Verkaufswünsche mangels Kaufinteresse nicht ausgeführt werden. Hinzu kommt, dass kleine Unternehmen häufig wenig mitteilungsfreudig sind. Kleinanleger erfahren dann eventuell später als Großinvestoren, wenn es dem Unternehmen schlecht geht. Wollen die Kleinen dann aussteigen, haben die Großen unter Umständen bereits Kasse gemacht und den Kurs damit gedrückt.

Außerdem haben Mittelständler häufig nicht die besten Bonitätsnoten. Während die Emissionen von KTAG und Windreich immerhin ein BBB bekommen haben, hat die Dürr-Anleihe gar kein Rating. Wie groß das Ausfallrisiko ist, lässt sich daher nicht abschätzen.

Kommentare zu " Bulle & Bär: Bei kleinen Unternehmen absichern"

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  • Warum so skeptisch ggü. den Kleinen?
    Es gab doch vor zwei Jahren GM, die -zig Milliarden nicht zurückgezahlt haben, obwohl das Rating bis ein Jahr vor insolvenz noch ganz gut war. Und das war eines der größten Unternehmen der Welt.
    Zumindest handelt es sich bei den kleinen Unternehmen um Zukunftsbereiche, mit Risiko, aber auch mit guten Chancen für die Zukunft; bzw. um Unternehmen, die ihren ernsthaften Willen zur Zins- und Rückzahlung bereits bewiesen haben.
    Schief gehen kann immer etwas, aber wer bis zum Laufzeitende warten kann, hat doch bei ca. 5 Jahren Laufzeit ein überschaubares Risiko. Und nicht vergessen: Nicht alle Eier in einen Korb!

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