Bulle & Bär
Bei Wertpapieren kommt es wieder auf die Herkunft an

Nach 20 Jahren ist die Länderallokation plötzlich wieder in. Was das ist? Internationale Investoren suchen Aktien und Anleihen nach ihrer Herkunft aus. Überraschend ist nicht das Warum, sondern die Tatsache, dass die Experten der Länderallokation im Euro-Raum einen deutlich größeren Stellenwert einräumen als der bislang dominanten Sektorallokation.
  • 0

FRANKFURT. Die Finanzmärkte hatten das Thema eigentlich im Jahr 1999 beerdigt. Doch 2010 feiert es plötzlich fröhliche Urstände. Die Länderallokation ist nach Europa zurückgekehrt. Noch einmal zur Erinnerung für diejenigen, die den Begriff in den vergangenen elf Jahren vergessen hatten: Bei der Länderallokation suchen internationale Investoren Wertpapiere wie Aktien und Anleihen nach ihrer Herkunft aus. Die aus attraktiven Ländern werden gekauft, die aus weniger attraktiven links liegengelassen.

Das zeigt sich neuerdings speziell im Euro-Raum, wo derartige Strategien mit der Einführung des Euros im Jahr 1999 eigentlich ad acta gelegt werden sollten. Papiere aus Frankreich und Spanien, den Niederlanden und Griechenland, Deutschland und Finnland sollten nun eigentlich als gleichwertig angesehen haben - auch bei der Auswahl für die Portfolios.

Dass nun immer mehr Investoren wieder sehr wohl nach der Herkunft einer Aktie, einer Unternehmens- oder Staatsanleihe unterscheiden, verwundert vor dem Hintergrund der Schuldenkrise einiger Länder der Peripherie nicht. Analysten gehen ins Archiv und suchen sich die alten Modelle heraus. Anschließend bringen sie diese so in Form, dass sie im laufenden Jahr zu verwenden sind.

Telekom-Titel kommen in guten wie in schlechten Zeiten nicht in Fahrt

Das wirklich Überraschende dabei ist aber, dass die Experten der Länderallokation im Euro-Raum mittlerweile sogar einen deutlich größeren Stellenwert einräumen als der bislang so dominanten Sektorallokation. Dort geht es im Prinzip darum, welche Branchen die besten Wachstumschancen haben, so dass deren Aktien oder Anleihen in Zukunft besonders steigen werden.

Dass dies so ist, hat zwei Gründe. Zum einen unterscheiden sich die jeweiligen Euro-Länder sehr wohl nach Wachstum, Kapitalausstattung und Wettbewerbsfähigkeit. Das ist nicht neu, stand aber lange Zeit im Hintergrund und ist erst jetzt wieder ein Thema. Im Hinblick auf die Sektorallokation verwundert das nachlassende Interesse ebenfalls nicht. Jahrelang galt die Devise: In wirtschaftlich schlechten Zeiten sind defensive Branchen wie Versorger, Telekom oder Pharma gefragt, in guten Zeiten sind die konjunktursensiblen Technologie, Auto- und Stahlwerte empfehlenswert.

Weil sich hier in jüngster Zeit ebenfalls viel geändert hat - Autowerte boomen trotz der Sorge um eine abkühlende Weltkonjunktur, Telekomtitel kommen in guten wie in schlechten Zeiten nicht in Fahrt - sind viele Börsianer im Moment dabei, dieses Schema zu überdenken. Es fehlt bislang ein klar erkennbares Modell. Insofern verwundert es nicht, dass die Herkunft wieder im Vordergrund steht.

Kommentare zu " Bulle & Bär: Bei Wertpapieren kommt es wieder auf die Herkunft an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%