Bulle & Bär
Beide Lager haben Recht

Jahrelang verwöhnten uns die Börsen mit steigenden Kursen und geringen Schwankungen. Jetzt präsentieren sich die Märkte wie an den turbulentesten Tagen während der dreijährigen Talfahrt zwischen den Jahren 2000 und 2003.

DÜSSELDORF. Erst kam es an den US-Börsen zum größten Tagesverlust seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 und tags darauf zum stärksten Kursanstieg seit Beginn der Hausse vor viereinhalb Jahren. Mit der Achterbahnfahrt spiegeln die Börsen die schlechte Stimmung vieler Privatanleger und die optimistische Einschätzung vieler Bankhäuser wider. Tatsächlich liegen die Welten aber gar nicht so weit auseinander.

Mit Blick auf die Immobilienkrise in den USA beurteilen die meisten Anleger die Chancen an den Börsen derzeit überaus skeptisch. Eine Korrektur von zehn Prozent, die sich zudem über Wochen und Monate hinzieht, erwarten sie. Das ermittelte das Frankfurter Researchinstitut Sentix, die europaweit größte regelmäßige Anlegerbefragung.

Hingegen raten die meisten Banken angesichts der inzwischen um fast zehn Prozent gesunkenen Kurse zum Einstieg oder Nachkauf. Wer diesen Mut bei Korrekturen wie im Frühjahr oder Mai vergangenen Jahres bewies, handelte goldrichtig. Fast alle Institute fühlen sich mit ihren zum Halbjahreswechsel angehobenen Kurszielen immer noch wohl. Die Prognosen reichen von 8 500 Punkten auf Jahressicht bei der Deutschen Bank bis hin zu 10 000 Punkten bei der Investmentgesellschaft der Commerzbank, Cominvest, mit Blick auf zwei Jahre.

Pessimismus auf der einen und Optimismus auf der anderen Seite schließen sich durchaus nicht aus, sondern ergänzen sich zu einem Ganzen. Denn einerseits schreien die Märkte nach viereinhalbjähriger Hausse und einem Zuwachs des Deutschen Aktienindex (Dax) von 250 Prozent geradezu nach einem ausgedehnten Rücksetzer. Die Immobilienkrise ist ein willkommener Anlass, Gewinne mitzunehmen. In Zeiten, in denen die Finanzmärkte ihre lange Zeit unterbelichteten Risiken neu gewichtet, erscheint es erst einmal logisch, Aktien abzustoßen. Andererseits brummt die Weltkonjunktur, wovon Deutschlands exportorientierte Konzerne überproportional profitieren. Hinzu kommt die attraktive Bewertung. Nach dem jetzigen Rücksetzer bezahlen Anleger die Anteilsscheine der Dax-Unternehmen durchschnittlich nur noch mit dem zwölffachen erwarteten Jahresgewinn. Das sind 15 Prozent weniger als im historischen Mittel der letzten vier Jahrzehnte.

Gut möglich, dass am Ende Bären und Bullen doch noch zusammenkommen. Dann nämlich, wenn sich die Hausse fortsetzt. Wohlgemerkt nach einer Korrektur, die angesichts des vorangegangenen enormen Anstiegs auch noch bei Kursrückgängen von 15 Prozent und einer Dauer von mehreren Monaten als solche bezeichnet werden darf. Damit behielten die skeptischen Anleger und die optimistischeren Bankhäuser Recht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%