Bulle & Bär
Berichtssaison: Hund folgt Herrchen

Wir stecken wieder einmal mitten in der Berichtssaison. Reihenweise präsentieren die Unternehmen, wie die Geschäfte im vergangenen Jahr gelaufen sind. Nun lassen Schwergewichte wie Dow Chemical, Cisco oder Mastercard die Hosen runter. Aber was sind die Zahlen überhaupt noch wert?

FRANKFURT. Die meisten Ergebnisse dürften so wie schon in den vergangenen Tagen enttäuschend ausfallen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gewinne - zumindest in den USA - durchschnittlich um ein Drittel eingebrochen.

Die Optimisten werden nun sagen: Die schwachen Zahlen können den Aktienmärkten kaum noch etwas anhaben. Eine tiefe Rezession ist bereits eingepreist. Tatsächlich hat sich die Börse zuletzt recht stabil gehalten. Der Absturz unter das Tief vom Herbst bei 4 014 Punkten blieb aus. Die Stimmung in den Unternehmen wurde wieder etwas besser. Zur Überraschung aller legte der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex sogar leicht zu. In den USA wird in dieser Woche der ISM-Index veröffentlich. Er ist gewissermaßen das amerikanische Pendant zum deutschen Ifo-Index. Sollte auch er sich erholt haben, wären wir auf einem guten Weg.

Für eine Überraschung könnte außerdem die Europäische Zentralbank (EZB) sorgen. EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat zwar mehrfach betont, dass bei der EZB-Ratssitzung in dieser Woche keine Zinssenkung ansteht. Aber wer weiß, Menschen ändern ihre Meinungen in diesen Tagen schnell. Zuletzt hatte die EZB den Leitzins für die Euro-Zone auf zwei Prozent reduziert. Tiefer lag er in der Geschichte noch nie. Spätestens im März dürften die Zinsen unter die historische Marke fallen.

Doch egal was die Notenbank macht - für echte Erholung kann sie nicht sorgen. Was die Investoren bewegt ist letztlich etwas anderes. Es ist die Angst davor, was noch alles in den Bankbilanzen schlummert. Zuletzt folgte der gesamte Markt den Banken wie der Hund dem Herrchen. Wenn es neue Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche gab, brachen zuerst die Bankaktien ein, dann fiel der Rest. Auf der anderen Seite entfachte die Hoffnung darauf, dass die Banken ihren Giftmüll in den Bilanzen bald schon bei einer "Bad Bank" abladen können, ein kurzes Strohfeuer an der Börse. Der Dax schaffte es zeitweise über die Marke von 4 500 Punkten - um anschließend gleich wieder einzuknicken.

Die nächsten Tage dürften wieder nach diesem Muster ablaufen. Gebannt schaut die Börse auf den Donnerstag: Dann präsentiert die Deutsche Bank ihr vorläufiges Jahresergebnis. Dass sie im abgelaufenen Jahr einen Verlust von fast fünf Milliarden Euro eingefahren hat, ist zwar hinlänglich bekannt. Dieser Schock ist in den Kursen drin. Spannend wird aber, was Vorstandschef Josef Ackermann zum laufenden Jahr sagen kann. Angeblich sollen die ersten Januar-Wochen ziemlich vielversprechend gewesen sein, wie es in Bankenkreisen heißt. Wobei die Frage erlaubt sein darf, woher Gewinne der Banken überhaupt noch kommen sollen. Eigenhandel und Investment-Banking sind praktisch tot. Weiten Teilen des Bankensektors droht die Verstaatlichung.

So lange nicht klar ist, wie es mit dem Finanzsystem weitergeht, kehrt das Vertrauen nicht an den Markt zurück. Die großen, institutionellen Anleger halten sich zurück. Ablesen lässt sich das an den geringen Umsätzen. Stattdessen übernehmen die Zocker das Kommando. Sie sind wohl die Einzigen, die ihre Freude an den derzeit stark schwankenden Kursen haben.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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