Bulle & Bär
Berichtssaison: Vorsicht, Ausblicke!

Mit Spannung warten Anleger Quartal für Quartal auf Alcoa. Der weltgrößte Aluminium-Produzent eröffnet traditionell die amerikanische Bilanzsaison. Weil wochenlang keine Gewinn-, Umsatz-, Vor- und Nachsteuerzahlen auf den Tisch kommen, erfährt der Rohstoffkonzern von Anlegern und Analysten ein Stück weit mehr Aufmerksamkeit, als ihm unter normalen Umständen zuteil würde.

DÜSSELDORF. Doch schon häufig zeichneten sich mit den Zahlen Alcoas an der Börse Trends ab, die niemand unterschätzen sollte. Im abgelaufenen zweiten Quartal bricht der Nettogewinn Alcoas um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr ein. Doch die Börsen halten sich gut, ja sie atmen fast erleichtert auf, denn Analysten hatten mit noch schlechteren Zahlen gerechnet. Die Erwartungen wurden geschlagen. Wie angespannt die Situation war, demonstrierte die Alcoa-Aktie wenige Stunden vor Präsentation der Firmenzahlen. Der Kurs sackte in böser Vorahnung der Anleger um drei Prozent ab. Und das trotz einer starken Schlussrally an der Wall Street und satten Gewinnen der amerikanischen Indizes.

Erinnern wir uns: Vor drei Monaten startete die Berichtssaison, natürlich ebenfalls mit Alcoa, unter keinem guten Stern. Viele namhafte US-Unternehmen verfehlten damals die noch hochgesteckten Erwartungen. Das schockierte die Anleger, weshalb die Börsen schließlich ihre zwischenzeitlich unterbrochene Talfahrt doch wieder aufnahmen.

Die jetzt anstehenden Quartalzahlen versprechen in den USA und auch in Europa zwar kaum Besserung. Im Gegenteil: Die Finanzkrise und der Abschwung kommen mehr und mehr auch bei den klassischen Industriekonzernen an. Aber: Im Gegensatz zum letzten Mal haben die Analysten ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Ziele rechtzeitig drastisch nach unten korrigiert. Sie rechnen bei den US-Konzernen mit Gewinneinbrüchen: Für die 500 größten amerikanischen Firmen zeichnet sich nach Ansicht der vielen Experten ein Minus von durchschnittlich zehn Prozent ab.

Deshalb spricht einiges dafür, dass die Quartalssaison dieses Mal nicht als Auslöser für neuerliche Börsenbeben herhalten muss. Zumindest an dieser Front bessern sich also die Voraussetzungen dafür, dass nach dem katastrophalen ersten Aktien-Halbjahr das Schlimmste erst einmal überstanden ist.

Doch Vorsicht, damit ist das zweite Halbjahr noch keineswegs gerettet. Investoren erhoffen sich von dieser Quartalssaison und den Halbjahresberichten Hinweise auf 2009. Und hier droht noch weit mehr Enttäuschungspotenzial als mit den Zahlen zum vergangenen ersten Quartal. Denn bislang rechnen Analysten dies- und jenseits des Atlantiks mit kräftigen, ja zweistelligen Gewinnzuwächsen im neuen Jahr. Sollten die Firmen Worte finden, dass die Geschäfte auch im nächsten Jahr schwierig bleiben oder gar schlechter werden könnten, dann ist ein gutes zweites Börsenhalbjahr keineswegs ausgemacht.

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