Bulle & Bär
Bierbrauer liebäugeln mit Schwellenländern

Sowohl in Westeuropa als auch in Nordamerika stagniert der Bierkonsum. Um ihren Absatz anzukurbeln, engagieren sich die großen Bierbrauer zunehmend in den wachstumsstarken Schwellenländern.

KAPSTADT. Ganz vorneweg marschiert dabei der Bierriese SAB Miller, der in nur zehn Jahren eine beispiellose Metamorphose vollzogen hat – von einem fast ganz auf Südafrika beschränkten Konzern zu einem globalen Koloss. Fast überall auf der Welt hat das 1895 auf den Johannesburger Goldfeldern gegründete Unternehmen heute Wurzeln geschlagen, besonders tiefe in seinem afrikanischen Hinterland, in Osteuropa, Nord- und Südamerika, aber auch im Fernen Osten. Selbst im zersplitterten und hart umkämpften chinesischen Biermarkt rangiert SAB Miller inzwischen an erster Stelle.

Vieles deutet darauf hin, dass China für SAB Miller schon bald zur wichtigsten Region wird. Denn dort wächst der Bierkonsum mit über zehn Prozent pro Jahr rasant. In der Zwischenzeit hat China sogar den US-Biermarkt an Größe übertroffen. Dennoch ist das Geschäft im Reich der Mitte wegen seiner extrem dünnen Gewinnmargen alles andere als einfach: Die weltweit führenden Brauereien erzielen hier im Schnitt kaum ein Prozent ihres konsolidierten Gewinns.

Im Gegensatz dazu gilt der Heimmarkt am Kap, wo SAB Miller noch immer fast ein Drittel des Vorsteuergewinns verdient, als weitgehend gesättigt. Im dritten Quartal (per Ende Dezember) steigerte der weltweit zweitgrößte Brauereikonzern den Umsatz in Südafrika um lediglich ein Prozent. Einzige Wachstumsnische am Kap sind die Biermarken im oberen Marktsegment, wo sich

SAB einen erbitterten Kampf mit der kleinen Namibian Breweries liefert, die nach deutschem Reinheitsgebot braut.

Die Südafrikaner dürfte es bisweilen reuen, vor vier Jahren, auch auf Druck der Analystenriege, für 5,6 Mrd. Dollar den US-Bierriesen Miller in Milwaukee erworben zu haben. Eigentlich sollte damit das stark auf Schwellenländer ausgerichtete Portefeuille diversifiziert und durch einen Markt mit Hartwährung angereichert werden. Doch der Turnaround bei Miller erweist sich als äußerst zäh und bindet viel Kapazität.

Mit jeder kleinen Erfolgsmeldung von Miller haben die Aktien des Unternehmens in letzter Zeit an Wert gewonnen. SAB Miller notieren inzwischen mehr als 50 Prozent über dem Stand vor einem Jahr und werden im Konkurrenzvergleich nur vom absatzstärksten Brauer Inbev übertroffen, dessen Kurs zum Wochenende nach Fusionsgerüchten mit Anheuser Busch um zehn Prozent auf ein neues Rekordniveau kletterte.

Ob dieser Kurshöhenflug auf festen Füßen steht, darf bezweifelt werden: So ist nach derzeitigem Stand der Dinge zum Beispiel unklar, ob eine Fusion der beiden Schwergewichte wirklich ausreichend Synergien und Einsparungen schaffen würde. Bis dahin sollten die Miller-Aktien mit Vorsicht genossen werden.

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