Bulle & Bär
Billigflieger: Der schöne Schein trügt

Eine Hiobsbotschaft geht um: Die Verwerfungen in der Bankenlandschaft schlagen auf die Realwirtschaft durch. Die Rohstoffpreise reagieren darauf bereits und rauschen in den Keller - allen voran der Ölpreis. Ein Lichtblick inmitten der Krise. Auch Fluggesellschaften profitieren - auf den ersten Blick.

DÜSSELDORF. Die Billigflieger profitieren von dem sinkenden Ölpreis besonders stark. Denn bei ihnen schlagen Preisschwankungen deutlich zu Buche. Schließlich summieren sich die Kosten der Billigflieger für Kerosin auf rund die Hälfte aller Ausgaben. Vor rund zehn Jahren lag der Anteil nur bei rund zehn Prozent. Bei den Liniengesellschaften beläuft sich die Rechnung für Flugbenzin auf rund ein Drittel der Gesamtkosten.

Unter den Billigfliegern profitiert Ryanair am deutlichsten davon, dass der Rohölpreis die Rekordhochstände weit hinter sich gelassen und sich nahezu halbiert hat. Airline-Chef Michael O'Leary hatte sich verkalkuliert und war kaum Sicherungsgeschäfte (Hedging) gegen steigende Treibstoffpreise eingegangen. Easyjet und Air Berlin hatten sich zumindest teilweise abgesichert. Daher fällt bei ihnen die Erleichterung nicht ganz so groß aus.

Im Zuge der Krise und des horrenden Ölpreises haben die Aktienkurse von Ryanair und Easyjet kräftig verloren. Zu den Hochs der vergangenen zwölf Monate haben sie um gut 60 Prozent nachgegeben. Die Titel von Air Berlin sackten gar um über 80 Prozent ab. Doch trotz des fallenden Ölpreises dümpeln die Titel nahezu unverändert auf diesen Tiefständen. Anleger fassen nach wie vor kein neues Vertrauen.

Bieten die günstigen Bewertungen nun einen Einstieg zum Schnäppchenpreis bei den verschmähten Billigfliegern? Wohl kaum. Denn der Ölpreis schwankt heftig - er kann nach der Opec-Ankündigung, die Produktion zu drosseln, durchaus wieder zulegen. Und das gefährdet das ohnehin schwache Erholungspotenzial der Airline-Titel. Zumal die Papiere ohnehin stark schwanken, weil sie stark auf Konjunkturänderungen reagieren.

Und die Schwächephase der Weltwirtschaft dürfte erst am Anfang stehen. Das Dickste kommt also noch. Ryanair-Chef O'Leary und seine Kollegen argumentieren zwar, dass gerade eine Rezession die Nachfrage nach günstigen Flugreisen ankurbelt. Doch diese Rechnung ist naiv: Denn auch die etablierten Airlines haben vom Modell der Low-Cost-Carrier gelernt. Auch die Linienflieger halten ihre Kosten stärker im Zaum und wollen mit Kampfpreisen Marktanteile zurückerobern. Das heizt den Konkurrenzkampf unter allen Fluggesellschaften kräftig an. Der Handlungsspielraum für die Kostendrücker wird eng. Die Stellschrauben haben sie weitgehend ausgereizt. Anleger, die eine Bruchlandung vermeiden wollen, sollten daher den scheinbar günstigen Bewertungen widerstehen.

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