Bulle & Bär
Biosprit auf dem Standstreifen

FRANKFURT. Der Klimaschutz ist „in“, alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Biosprit müsste eigentlich auch dazu gehören. Noch im Herbst vergangenen Jahres gab es Börsengänge von Biospritherstellern. In einer ersten Welle waren 2005 schon Biopetrol und Eop Biodiesel an die Börse gegangen. Doch die Bilanz der Biospritaktien ist ernüchternd. Heute notiert einzig Eop über dem Ausgabekurs. Vor allem Papiere der Biodieselproduzenten sind in den vergangenen Monaten abgestürzt. Eine schnelle Genesung ist nicht in Sicht.

Der Absturz liegt sicherlich zum Teil am Preisrückgang bei Rohöl, der das Interesse an Biodiesel als Alternative zum herkömmlichen Kraftstoff bremst. Ein entscheidender Grund ist aber auch die geänderte Förderpolitik in Deutschland. Seit August vergangenen Jahres ist die Steuerfreiheit von Biodiesel Geschichte, seither wird der Liter an der Tankstelle mit neun Cent besteuert. Und der Steuersatz wird in den nächsten Jahren schrittweise steigen.

Das treibt den Preis für reinen Biodiesel und drückt die Verkäufe. Der Absatz reinen Biodiesels, dem so genannten B100, ist seit Einführung der Steuer eingebrochen. Auch die Spediteure – wichtige Abnehmer von B100 – betanken ihre Lkws nur dann mit Biokraftstoff, wenn dessen Preis deutlich unter dem des herkömmlichen Diesels liegt. Schließlich haben Fahrzeuge, die mit Biodiesel betrieben werden, auch einen höheren Verbrauch.

Auch die seit 1. Januar geltende Gesetzespflicht, jedem Liter Diesel fünf Prozent Biodiesel beizumischen, hilft nur wenig. Denn mit der Beimischung zum herkömmlichem Diesel können die Biosprithersteller nur rund 1,5 Millionen Tonnen absetzen. Die Kapazitäten für Biodiesel betragen nach Schätzungen des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie jedoch etwa 4,4 Millionen Tonnen.

Hausgemacht Probleme

Damit wird klar, dass die Probleme der Branche zum Teil auch hausgemacht sind. In der Boomphase des Biosprits haben die Hersteller neue Anlagen geplant und Kapazitäten ausgeweitet. Nun, da sich das Bild gewandelt hat, gibt es beim Biodiesel Überkapazitäten, die auf die Preise drücken. Gleichzeitig haben die Hersteller wenig Spielraum, die Kosten zu senken, entfällt doch ein Großteil dieser auf die Rohstoffe zur Herstellung des Biokraftstoffs.

Das alles spricht zurzeit gegen große Sprünge bei den Aktien der Biosprithersteller. Ohne einen höheren Biodiesel-Absatz werden die Kurse kaum vorankommen. Vielleicht bringt der Gesetzgeber neue Impulse, wenn er die Regelung zur Beimischung ändern sollte. Oder der Ölpreis spielt der Branche ein weiteres Mal in die Karten, wenn er zu einem neuen Höhenflug ansetzt.

Anleger, die in Biospritaktien investieren wollen, sollten daher Augen und Ohren offen halten, in welche Richtung sich Politik und Ölmarkt bewegen. Aus eigener Kraft wird es den Biodieselherstellern wohl kaum gelingen, Umsatz und Ergebnis zu steigern.

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