Bulle & Bär
Bittere Pille für Colonial-Aktionäre

Die Lage am spanischen Immobilienmarkt ist verzwickt, die Unsicherheit entsprechend groß. Kaum etwas spiegelt dies besser wider als das monatelange Hindernisrennen um den Branchenriesen Colonial. Heute wird der Aufsichtsrat des hochverschuldeten Unternehmens über ein Kaufangebot des Dubaier Staatsfonds "Investment Corporacion of Dubai" (ICD) entscheiden.

MADRID. Zwar ist das Angebot angesichts der Vermögenswerte von Colonial wenig attraktiv, doch es gibt keine Alternative. ICD wird sich zu einem Spottpreis das rentable Mietgeschäft von Colonial sichern. Es macht etwa 80 Prozent des Werts von Colonial aus und umfasst unter anderem Bürogebäude in erstklassiger Lage in Paris, Madrid und Barcelona. Dubai steigt zum Schnäppchenpreis ein: Für Vermögenswerte von rund 9,1 Mrd. Euro will ICD nach Informationen der spanischen Börsenaufsicht wohl 1,19 Euro pro Aktie zahlen. Dies ist ein Gesamtpreis von gerade mal rund zwei Mrd. Euro.

Nichts zu tun haben wollen die Dubaier mit dem risikoreichen Wohnimmobiliengeschäft, das etwa ein Fünftel von Colonials Geschäft ausmacht. Dieser Teil ist mit rund 2,5 Mrd. Euro bewertet und würde in den Händen der bisherigen Colonial-Großaktionäre, dem Ex-CEO des Unternehmens Luis Portillo sowie der Familie Nozaleda verbleiben.

Die Anleger werden also eine bittere Pille zu schlucken haben. Denn es ist das einzige Angebot, das auf dem Tisch liegt, und eine schnelle Lösung ist gefragt. Schließlich ist die Finanzsituation von Colonial verzweifelt. Der Konzern hat Schulden von rund neun Mrd. Euro und konnte im Zuge der aktuellen internationalen Finanzkrise und der Krise auf dem spanischen Immobilienmarkt diese Schulden nicht mehr refinanzieren. Der freie Fall des Aktienkurses komplizierte die Lage zusätzlich; ein Teil der Kredite war mit Aktien unterlegt.

So werden die eigentliche Entscheidung nicht die Aktionäre, sondern die Gläubigerbanken treffen, denn Dubai stellte die Bedingung, dass sich Colonial mit den Gläubigern über eine Refinanzierung der Kredite einigt.

Bei den Anlegern weckt dies Zweifel. Sie haben anscheinend wenig Hoffnung, dass der Deal zustande kommt: Der Kurs von Colonial fiel in den letzten Börsentagen auf unter ein Euro, noch einmal deutlich unter das Übernahmeangebot aus Dubai. Auch unter den Analysten wachsen die berechtigten Zweifel, ob der Deal zustande kommt und die Aktie entsprechend unterbewertet ist oder nicht.

Tatsache ist jedoch, dass es keine Alternativen zu dem Verkauf an den Staatsfonds aus Dubai gibt. Keinem, weder den Aktionären noch den Banken, kann daran gelegen sein dass Colonial Konkurs anmelden muss, und die Einzelteile des Unternehmens inmitten der aktuellen Ungewissheit auf dem Immobilienmarkt vollstreckt werden müssen. Es ist bereits das zweite Angebot aus Dubai, eine weitere Verbesserung der Verkaufsbedingungen ist damit ebenfalls mehr als unwahrscheinlich.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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