Bulle und Bär: Börse
Handeln Anleger jetzt zu skeptisch?

Wer der Börse immer noch treu bleibt, erlebt fast täglich gigantische Ausschläge nach oben und unten. Anleger spiegeln damit Hoffnungen und ebenso schwerwiegende Befürchtungen wider, die eng aufeinander prallen. Eine Schlüsselfunktion kommt indessen dem US-Verbraucher zu.

DÜSSELDORF. Einmal dominieren Chancen aus der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank und niedrigen Aktienbewertung. Kurz darauf überwiegen Risiken, dass der Konjunkturabschwung diesmal schärfer ist und länger währt als in früheren Zyklen. Damit drohten die Firmengewinne einzuknicken. Die attraktive Bewertung wäre Schnee von gestern.

Nimmt man vergangene Zinssenkungen zum Maßstab, dann müssten sich Börse und US-Wirtschaft schon bald stabilisieren. Nach der Jahrtausendwende und auch in der Rezession Anfang der neunziger Jahre beflügelten mehrfache, aggressive Zinssenkungen rasch die Konjunktur.

Geht man davon aus, dass die amerikanische Notenbank noch weiter die Zinsen senkt, erscheinen die Risiken auf den ersten Blick also beherrschbar. Dies umso mehr, wenn man das amerikanische Konsumentenvertrauen und den deutschen ZEW-Index zum Maßstab nimmt. Der drastische Verfall beider Frühindikatoren erinnert stark an die Rezession Anfang der neunziger Jahre, wie Andreas Hürkamp von der Commerzbank anmerkt. Die Folge: Lagen die Indikatoren am Boden, erholten sich die Börsen rasch wieder - in Erwartung, dass es nur noch aufwärts gehen kann.

Handeln Anleger jetzt also zu skeptisch, wenn sie an der Erholung zweifeln und deshalb die Börse nach jedem Anlauf zu einer Rally wieder auf Talfahrt schicken? Nicht unbedingt. Denn es ist keineswegs ausgemacht, dass massive Zinssenkungen auch diesmal den Rezessionsspuk rasch beenden. Der Schlüssel dafür liegt beim amerikanischen Verbraucher. Denn sollte es diesmal zu einer Konsumrezession kommen, dann sind die Konsequenzen schwerwiegender als früher. In vergangenen Rezessionen befreite immer wieder die Ausgabefreude des US-Verbrauchers die Wirtschaft aus ihrem Schlamassel. Danach sieht es jetzt aber nicht aus.

In der Rezession 2001 drückten die Zinssenkungen der Notenbank die Hypothekenzinsen nach unten. Das belebte die Bautätigkeit, vor allem aber den Konsum. Hausbesitzer mussten wegen der niedrigeren Hypothekenzinsen weniger abbezahlen, fühlten sich ob ihres gestiegenen Immobilienwerts reicher und gaben mehr Geld aus.

All das wiederholt sich diesmal wohl kaum, denn die Krise geht vom Hypothekenmarkt aus. Wenn obendrein der Weltwirtschaft nach fünf Boomjahren die Puste ausgeht, dann müssen sich Anleger noch eine Weile auf schwierige Zeiten einstellen. Trotz sinkender Zinsen.

Viel Skepsis bei der Mehrheit der Anleger - die niedrige Aktienquote beweist es - und die moderate Bewertung der Anteilsscheine selbst unter der Annahme, dass die Firmengewinne um 20 Prozent einbrechen, werden jedoch einen Kurssturz á la Baisse 2000 bis 2003 verhindern.

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