Bulle & Bär
Börse Thailand: Finger weg vom Set-Index

"Set im Crash nach Polittrauma - jetzt nachkaufen?", fragt ein Nutzer im Internetboard von Wallstreet Online mit Blick auf den thailändischen Set-Index. Dem Nutzer kann mit einer klaren Antwort geholfen werden: Nein, auf keinen Fall. Von einem Crash kann gar nicht die Rede sein.

DÜSSELDORF. Mit Blick auf die Nachrichtenlage aus Thailands Hauptstadt Bangkok kommen Investoren zwar die gängigen Floskeln in den Sinn, wonach politische Börsen kurze Beine haben und Krisen antizyklische Kaufgelegenheiten darstellen. Im laufenden Jahr zogen ausländische Investoren bereits umgerechnet 2,1 Mrd. Euro aus dem Thai-Aktienmarkt ab, die Kapitalaufnahme im Ausland ist für Unternehmen quasi eingefroren und die Landeswährung Baht steht unter Druck. Von einem Crash kann aber keine Rede sein. Sechs Prozent verlor der thailändische Set-Index binnen zwei Wochen. Investoren haben sich an Unruhen und Putschisten in Thailand gewöhnt.

Der Griff zu einem der zahlreichen Thailand-Indexzertifikate oder im Zuge der Asieneuphorie der 90er Jahre aufgelegten Thai-Länderfonds wäre zwar eine Kaufchance, wenn Thailand ein Aktienmarkt wie jeder andere wäre. Ein Aktienmarkt, in dem zumindest auf lange Sicht ein enger Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Börsenentwicklung besteht. Thailand ist aber ein abschreckendes Beispiel, dass Börsenentwicklung und Wirtschaftswachstum über Jahrzehnte zwei verschiedene paar Schuhe sein können und sich Geduld nicht immer auszahlt: Als im November 1989 die Mauer in Deutschland fiel, notierte der thailändische SET-Index bei 700 Punkten. Heute sind es 650 Punkte. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum hat sich das thailändische Bruttoinlandsprodukt vervierfacht und Schwellenländeraktien insgesamt haben sich versiebenfacht.

Während die übrigen asiatischen Tiger- und Pantherstaaten wie Singapur, Hongkong oder Malaysia schon vor Jahren die alten Höchstkurse aus der Zeit kurz vor der Asienkrise 1996 überstiegen, notiert der Set-Index noch immer 65 Prozent unter seinem Höchstkurs aus dem Jahr 1994. Hoffnung auf Besserung besteht kaum. Die positiven Effekte der Globalisierung laufen an dem thailändischen Set-Index weitgehend vorbei. National tätige Finanz- und Energiewerte machen einen hohen Anteil aus.

All dies wäre noch akzeptabel, wenn sich die politischen Risiken des Set-Index nach einem Kursminus von 28 Prozent im laufenden Jahr in einem Bewertungsabschlag niederschlügen. Doch mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund elf ist der Thai-Aktienmarkt derzeit nicht einmal günstiger bewertet als der Deutsche Aktienindex Dax.

Wer eine antizyklische Kaufgelegenheit sucht, tut daher gut daran, besser zu einem sehr guten Asienfonds oder einem Asien-Indexprodukt zu greifen. Schließlich notiert auch der Aktienindex MSCI Asia ex Japan derzeit mehr als ein Drittel unter den Höchstkursen des Vorjahres.

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